Daten, Fakten, Aufklärung

Autor: CitizenJournalist (Seite 1 von 3)

Ohne weitere Welle ins Frühjahr?

Laut den heute aktualisierten Sentinaldaten in Österreich gibt es keine Überraschungen. Bei einer Gesamtprobenzahl von n = 206 (deutlich gesunken) sind 26% von Influenza, wobei Influenza A weiter zurückgeht und Influenza B leicht zunimmt. Influenza B hat im Vorjahr die Saison mit einem deutlich flacheren Gipfel bis Anfang April gestreckt. RSV ist mit 11% stabil und SARS-CoV2 mit 1,4% stabil niedrig. Der Rest sind Rhinoviren und humane Coronaviren, die beide grippale Infekte verursachen – aber in der Regel kaum mit Spätfolgen verbunden sind.

Die Masern sind leider auch weiter am Vormarsch und daher sollte man seinen eigenen Impfpass einmal überprüfen. Wer nach 1970 geimpft wurde, hat den Lebendimpfstoff zumindest einmal erhalten (Masern-Mumps-Röteln-Kombinationsimpfung). Wer davon noch einen messbaren Impftiter vorzuweisen hat oder als Kind die Masern durchgemacht hat, ist lebenslang geschützt. Empfohlen wird aber schon länger eine zweite MMR-Impfung, um Impfversager vom ersten Mal mitzunehmen. Die 2. Impfung gilt daher nicht als Booster. Ich hab das vor kurzem unkompliziert in einer Ordination für Reiseimpfungen nachgeholt, ohne vorherige Titerbestimmung, denn Überimpfen geht nicht.

Viruslast im Abwasser, nach Bundesländern und Gesamt (schwarz), bis 20./21. Februar 2024

Die aktuelle Abwasserkurve zeigt eine Stabilisierung der SARS-CoV2-Werte auf niedrigem Niveau – geringer als im Winter 2022/2023, aber noch höher als im Juli 2023. Die dominante Variante ist JN.1 und Sublinien. In Vorarlberg gibt es einen leichten Wiederanstieg, der vor allem auf die Gebiete Hofsteig und Bregenz (unteres Rheintal) zurückzuführen ist, sich aber schon wieder abgeschwächt hat – wahrscheinlich ein lokaler Cluster. In Wien zeigt die Tendenz weiter nach unten – hier dürften die Werte nahe dem absoluten Minimum seit Beginn der Abwasseraufzeichnungen liegen.

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Drei Rekordwellen und keine Prävention

Abwassermonitoring Wien: Influenza, RSV und SARS-CoV2-Viruslast (Sonntagswerte), jeweils aktuelle Saison (rot) und Vorjahr (blau)

Die Krankheitswellen von SARS-CoV2, Influenza und RSV erreichten in diesem Winter neue Höchststände. Möglich gemacht hat dies das Ende von Public Health, das Ende jeglicher Primärprävention, die darauf abziehlt, Infektionen zu vermeiden, und Sekundärprävention wie die Impfung, die einen kleinen Teil an Infektionen vermeidet, aber vor allem schwere Verläufe verhindern kann.

Zumindest die Influenzakurve von diesem Jahr (rot) ist von den Werten zu hinterfragen, der scharfe Knick schaut unplausibel aus und im Vergleich zur Vorwoche sind die Höchstwerte im selben Zeitraum deutlich niedriger, da könnte also noch ein Hund drin sein. #GrainOfSalt

So oder so bleibt aber die Erkenntnis, dass wir mit signifikanten Krankheitswellen zu tun haben, die wir durch PRÄVENTION deutlich verringern könnten – wenn wir es denn nur wollen würden. Laufende Krankenstände sind das eine, die Spätfolgen das andere – und wer beides nicht für relevant hält, muss nur auf die Absagenflut im Skizirkus schauen – sowohl Ausfälle durch akute Krankheitsfälle oder schwere Stürze für alle schlechten Vorbilder, die trotz Krankheit Höchstleistungen vollbringen wollen, als auch vorzeitiges Karrierende von sehr jungen Sportlern, die gesundheitsbedingt aufhören müssen. Das C-Wort wird naturgemäß in den seltensten Fällen erwähnt – man möchte die Zuschauer schließlich nicht verunsichern, ihre eigene Verleugnung zu hinterfragen.

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Mangelnde journalistische Sorgfalt beim ORF: eine bittere Erkenntnis

Corona-Zitate von Infektiologe Wenisch (Klinik Favoriten) und Public-Health-Mediziner Sprenger (Uni Graz) sowie vom Sendungsverantwortlichen Settele (Dok1, ORF)

Am 20. September 2023 sendete der ORF die Dokumentation „Dok1 – Die verschwundene Seuche“ von Hanno Settele über SARS-CoV2. Ich schrieb am Folgetag einen ausführlichen Faktencheck zum Beitrag. In meinem Blogtext bin ich zudem darauf eingegangen, wie Settele auf Kritik an der Sendung reagiert hat – mit ad hominem-Angriffen und völlig uneinsichtig, als man auf die WHO-Statements zur Pandemie verwiesen hat.

Aufgrund dieser Uneinsichtigkeit schrieb ich an den ORF-Publikumsrat eine Beschwerde und begründete diese ausführlich. Ich unterlegte alle kritischen Kommentare mit mehreren Quellen/Fachliteratur, um meinen Standpunkt zu untermauern – schließlich bin ich kein Mediziner oder Biologe, und man glaubt mir nicht einfach so alles, nur weil ich es studiert habe (/end sarcasm). Lange geschah überhaupt nichts und ich hatte schon den Eindruck, man würde meine Anfrage ignorieren – am 31. Jänner 2024 kam schließlich die Stellungnahme vom Vorsitzenden des Beschwerdeausschusses, welche die Beschwerde als unbegründet abwies.

Sowohl die formale als auch inhaltliche Beantwortung meiner Beschwerde ist in meinen Augen skandalös , weswegen ich diese öffentlich mache: Schließlich finanziert der Steuerzahler in Österreich den ORF- seit 2024 mit einer allgemeinen Haushaltsabgabe. Es ist also auch im Interesse des Bürgers und der Bürgerin, dass die journalistische Qualität und die Standards im ORF eingehaltet werden. Denn wie mit Beschwerden und Anregungen umgegangen wird, hat auch Einfluss darauf, wie künftig überhaupt noch Kritik geübt werden kann und Verbesserungen möglich sind. Derzeit kann man das an den ORF-Kundendienst oder beim Pubikumsrat tun (Kontaktadressen).

Erst hinterher hab ich mich damit auseinandergesetzt, wie der Publikumsrat besetzt wird und wer für die Beantwortung von Beschwerden zuständig ist. Derzeit weisen 14 von 30 Mitgliedern im Publikumsrat ÖVP-Nähe auf. Das einzige Mitglied mit einem medizinisch-naturwissenschaftlichen Hintergrund ist der Internist Dr. Siegfried Meryn. Im Beschwerdeausschuss sitzt gar kein Naturwissenschaftler, dafür gilt der Vorsitzende Bernhard Wiesinger als Leiter der ÖAMTC-Interessensvertretung als ÖVP-nah und die stellvertretende Vorsitzende Barbara Nepp wurde von der FPÖ entsandt.

Das ist – diplomatisch formuliert – nicht übermäßig demokratisch, den staatlichen Rundfunks durch Regierungsfunktionäre oder parteinahe Personen kontrollieren zu lassen, wenn es um Sendungen geht, die die Regierungs- und Oppositionsarbeit etreffen. Es hat jedenfalls wenig mit Gewaltenteilung und Unabhängigkeit der Medien zu tun – und zwar egal, von welcher Partei die Personen kommen.

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Neuigkeiten zu den Winterwellen

In Kalenderwoche 4 gab es einen starken Anstieg der RSV-Fälle (22%), Influenza dominiert mit 31%, Rhinoviren 7% und nur 4% SARS-CoV2, n = 321

Die gute Nachricht ist, dass SARS-CoV2 weiter zurückgeht und nurmehr in 4% der Sentinelproben gefunden wird. Das ist der niedrigste Stand seit dem Frühsommer. Die schlechte Nachricht ist: In den Abwasserdaten, die wohl repräsentativer für die Gesamtbevölkerung sind, bewegen wir uns in der Sohle der letzten Winterwelle, bevor die XBB.1.5-Welle zugeschlagen hat – von der Frühsommersohle 2023 sind wir weit entfernt. Das Ansteckungsrisiko mit SARS-CoV2 ist also nicht Null, auch wenn jetzt Influenza und RSV dominieren.

Der kanadische Arzt Raj Bhardwaj entlarvt in diesem Interview Mythen über das vermeintlich harmlos gewordene Covid. Die Behandlung sei nicht einfacher, sondern komplizierter werden. Statt vor allem mit schweren Lungenerkrankungen kämen Patienten jetzt mit multisystemischen Problemen, Herz, Lunge, Niere, Fatigue, Dehydrierung. Bei leichten Verläufen sind es typische grippale Symptome, aber ….

„It’s not the surface symptoms that are the real problem. They feel not too bad. It’s the problem that – including JN.1 – does through the rest of your body, hacking the tissue and causing increased risk of blood clots and diabetes and brain problems and things like that.“

…es sind eben die Spätfolgen, die uns weiterhin beunruhigen sollten, sobald sich das Virus im Körper ausbreitet und jedes Organ attackieren kann. Zu abgelaufenen Schnelltests sagt er, man solle das pragmatisch sehen, solange man die Grenzen der Aussagekraft kenne. Solang die Kontrolllinie deutlich zu sehen ist, funktioniert der Test. Wichtiger sei, nach einem negativen Test regelmäßig nachzutesten.

Bei Influenza zeichnet sich nach der Rekordsaison 2022/2023 erneut eine starke Saison ab.

„Sind relativ wenige Menschen … in der vergangenen Saison mit dem Virus in Kontakt gekommen, häufen sich die Fälle in der darauffolgenden Saison“

Infektiologe Helmut salzer, linz

Das ist wahrscheinlich missverständlich formuliert und bezieht sich nicht auf vermeintliche Immunschuld, sondern auf den Virusstrang. Letztes Jahr dominierte Influenza A (H3N2), gefolgt von B, heuer bisher A (H1N1). Das Problem ist aber, dass Menschen, die im Vorjahr mit H3N2 krank wurden, heuer nicht gegen H1N1 immun sind. Daher sind zeitnahe Impfauffrischungen so wichtig (Krammer 2019), aber genau da ist Österreich extrem nachlässig.

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Wer seine Mitmenschen schützt und Maske trägt, ist wirklich gegen Rechts

Die kollektive Verleugnung und Verdrängung der nicht beendeten SARS-CoV2-Pandemie führt zu vermeidbaren Todesfällen und weiteren Spätfolgen in einem inakzeptablen Ausmaß. Betroffen sind nicht nur gesundheitlich anfällige Personen, sondern auch überproportional all jene Menschen, die in hochexponierten Berufen arbeiten (Gesundheits- und Bildungspersonal) bzw. niedrig qualifiziert sind und eine andere Herkunft haben („Systemerhalter“).

So beeindruckend die Zivilgesellschaft in Deutschland auf die NS-Phantasien der rechtsextremen Parteien reagiert – in Deutschland äußern sich sogar Fußballtrainer in der Öffentlichkeit -, so enttäuschend ist ihre Abwesenheit in der Pandemiephase, in der hohe Infektionszahlen mit allen schwerwiegenden Folgen normalisiert worden sind. Hunderttausende protestieren gegen eine Ideologie, die mit der erfolgreich umgesetzten Great-Barrington-Declaration in der Pandemie bereits Einzug in die Lebensrealität vieler Menschen gehalten hat, die eine SARS-CoV2-Infektion nicht schadlos überstanden haben bzw. sie weiterhin vermeiden müssen. Die Pandemie hat von Beginn an überproportional Menschen mit niedriger Bildung und anderer Herkunft betroffen, aber genauso alte und kranke/behinderte Menschen. Die Mehrheitsgesellschaft wähnt sich in der „alten Normalität“, „nach Corona“, doch die alte Normalität starb 2019. Jetzt gibt es nurmehr die Wahl, ein Sozialleben mit oder erhöhtem SARS-CoV2-Infektion zu pflegen. Das kann dazu führen, dass vulnerable Angehörige versterben oder schwerkrank zurückbleiben.

Deswegen wirken diese ganzen maskenlosen Demos ohne jede Schutzmöglichkeit scheinheilig: Es ist sehr leicht, sich „gegen Rechts“ zu positionieren, aber im Alltag dann das Gegenteil zu leben. Wo war diese „Zivilgesellschaft“ in den letzten vier Jahren der Pandemie? Wie empathisch ist die Mehrheitsgesellschaft jetzt mit Menschen, die sich immer noch schützen wollen oder müssen? Wie geht sie mit den neuen chronisch Kranken um? Wie viel Verständnis hat sie dafür, wenn man lediglich darum bittet, bei Symptomen eine Maske zu tragen und zu testen? Wo sind die Aufrufe der Organisatoren der „Demos gegen Rechts“, in größeren Menschenansammlungen eine Maske zu tragen, damit all jene „Vulnerable“, die das erste Opfer einer faschistischen Wiederkehr sind, sich beim Protest inkludiert sehen?

Sich vom rechten Gedankengut abzugrenzen und laut gegen die AfD oder FPÖ zu demonstrieren reicht nicht. Es ist der Umgang mit den Mitmenschen, die Handlungen, die man setzt, die zeigen, ob man es ernst mit dem „Nie wieder ist jetzt!“ meint. Ich sehe diesen Ernst in weiten Teilen der jetzigen Zivilgesellschaft nicht.

(Kurzfassung – für ausdauernde Leser gibt es auch eine Langfassung, siehe unten, bitte nicht beschweren, dass es so lang ist, ich kann mir leider nicht helfen)

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MECFS/LC und SARS-CoV2-Monitoring: PR-Aktionen des Gesundheitsministers

Gesundheitsminister Rauch kurz nach Amtsantritt, DerStandard am 10. März 2022: Ein Staat, der nicht bereit ist, das schwächste Glied zu schützen, ist keine Demokratie mehr, sondern setzt das Recht des Stärkeren um – bzw. hier das Recht der vermeintlich gesunden Mehrheit, die zu bequem ist, für andere zu verzichten oder sich geringfügig einzuschränken (z.B. Maske im Wartezimmer, in Öffis oder generell bei Symptomen zu tragen). Das ist „Health Supremacy“.

Es gibt schon wieder zu viele brennende Themen, die ich als One-Man-Show kaum adäquat abdecken kann. Zwei davon möchte ich jetzt herausgreifen, weil sie gerade sehr drängend sind. Das eine ist unsere Datenqualität, mit der das Infektionsgeschehen überwacht wird, das andere der Umgang mit chronisch kranken Menschen durch die Infektion selbst. Der Gesundheitsminister zeichnet sich wiederholt durch PR-Aktionen aus, die sich hinterher als Luftblasen entpuppen. De facto wird nichts bzw. bei weitem nichts ausreichendes getan – weder zum Schutz der Betroffenen, noch zu deren Therapiemöglichkeiten oder sozialer Absicherung. In der jetzigen Konstellation als Gesundheits- und Sozialminister ist Rauch (Grüne) für beides zuständig. Ein Infektionsgeschehen nur zu überwachen, aber nicht einzugreifen, wenn die Welle Rekordhöhen erreicht, ist pure Heuchelei. Wir sahen dies schon in den ersten Pandemiejahren, als man Schulen als „Infektionsradar“ instrumentalisierte, statt eben dort Schutzmaßnahmen zu verhängen, um Kinder, Jugendliche, aber auch Pädagogen zu schützen.

Im vergangenen Jahr wurden viele LongCOVID-Ambulanzen geschlossen, obwohl diese nach eigener Auskunft mit massiven Anfragen und Überlastung zu tun hatten. Verbleibende, wenige Fachärzte in Österreich, die sich mit postviralen Erkrankungen generell auskennen, waren und sind völlig überlastet. Auf ihnen lastet eine menschenunmögliche Verantwortung, selbst bloß nicht auszufallen.

Der Vorgänger von Rauch, Wolfgang Mückstein, ließ in einer Stellungnahme an MECFS-Betroffene am 21. Februar 2022 ausrichten, dass die Zuständigkeiten bei MECFS unklar sein würden, und es auch wenig Forschung geben würde, um das Feld voranzubringen. Es wurde außerdem behauptet, dass es bei MECFS keine klaren biologischen Marker geben würde, eine eigene Anlaufstelle für MECFS-Patienten war nicht geplant.

Anlaufstellen, soziale Absicherung, kein Zwang zur Verschlechterung der Erkrankung durch aktivierende Reha-Maßnahmen, Übernahme von teuren Medikamenten durch die Kasse, mehr Pflegepersonal für Schwerbetroffene – das alleine sind bereits wichtige Punkte, die in Angriff genommen werden müssen. Es ist aber auch genauso wichtig, dass sich die Betroffenen selbst gegen ein dauerhaft etabliertes, hochinfektiöses Virus schützen können, indem pflegende Angehörige geschützt werden. Und da passiert eben nichts mehr bzw. das Gegenteil wie Erschwerung von Impfstoffangebot, strengere Kriterien für Paxlovid-Erhalt und keinerlei Schutz in Spitälern bzw. Verbote, Luftreiniger zu verwenden.

Zur Klarstellung der Begrifflichkeiten:

LongCOVID ist ein Oberbegriff für verschiedene Spätfolgen einer SARS-CoV2-Infektion, von Lungenembolie über Herzmuskelentzündung, kognitive Einschränkungen und Demenz, chronische Infektion und dauerhaftem Geruchsverlust bis hin zu Belastungsintoleranz (PEM) und Bettlägerigkeit.

MECFS ist eine postvirale Erkrankung, deren Leitsymptom die Belastungsintoleranz ist. SARS-CoV2 ist einer der Auslöser, davor waren es Influenza, Epstein-Barr-Viren und andere Virusinfektionen. Zu trennen ist also das allgemeine LongCOVID vom spezifischen LongCOVID mit PEM, das nach 6 Monaten zum MECFS wird. Unter diesen Voraussetzungen kommt eine Hilfe für LongCOVID mit PEM-Betroffene auch MECFS-Betroffenen zugute und umgekehrt.

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Skandal: Wiener Konzerthaus bietet Pandemieleugnern eine Bühne

Werbung für eine Pandemieleugner-Veranstaltung im Wiener Konzerthaus

Das Wiener Konzerthaus wurde 1911-1913 errichtet. Es ist die Hauptspielstätte der Wiener Symphoniker, des Wiener Kammerorchesters und des Klangforums Wien. Die Wiener Konzerthausgesellschaft fungieren als Betreiber des Konzerthauses und ist ein privater, gemeinnütziger Verein. Neben dem offiziellen Programm wird es auch privat für Betriebsfeiern, Modeschauen, Kongresse und Geschäftspräsentationen genutzt. Die hier beworbene Veranstaltung ist so ein privater Anlass und wurde im offiziellen Programm des Wiener Konzerthauses nicht ausgeschrieben. Das ist jedoch keine Rechtfertigung, demokratiefeindlichen Gruppierungen eine Plattform zu bieten. Neben der LFÄ werben auch die „Grüne gegen die Impflicht & 2G“ für die Veranstaltung sowie der deutsche Verein „Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie“ (siehe Faktencheck) – zu den Gründern zählen u.a. Sucharit Bhakdi und Stefan Homburg, Mitglied ist zudem Wolfgang Wodarg.

Die Veranstaltung ist kein Einzelfall. Bereits am 20. Oktober 2023 fand im Klagenfurter Konzerthaus eine ähnliche Veranstaltung statt. Hauptredner damals: Martin Haditsch, der meinte, man hätte Covid „lieber laufen lassen sollen“. Haditsch war von Beginn an als Verharmloser der Pandemie gemeinsam mit AIDS-Leugner Christian Fiala in Erscheinung getreten, am 3. September 2020 wurde er von Ö1-Redakteurin Renate Schmidt-Kunz unkritisch interviewt. Veranstalter in Klagenfurt waren die „Liste der freien Ärztinnen Kärntens“ (LFÄ), eine MFG-nahe Liste, und die „Wissenschaftliche Initiative – Gesundheit für Österreich„, ein Verein von Pandemieleugnern mit Obmann Andreas Sönnichsen, von dem sich die Universität Wien bereits im ersten Pandemiejahr distanziert hat.

Update, 24.1.23

„das wiener konzerthaus hat mir heute mitgeteilt, dass es vom mietvertrag für die als „wiener gesundheitstage“ gebuchte veranstaltung zurückgetreten ist, bei der wordag und andere referenten ihre wissenschaftsfeindlichen „ergüsse“ loswerden hätten wollen. protestemails wirkten.“ (Quelle: Otmar Tuma, Twitter)

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Das fünfte Pandemiejahr: Der aktuelle Stand

Nationales Abwassermonitoring in Österreich, Stand 02.01.24 – Der Eindruck täuscht, an zwei Wellenpeaks waren mindestens drei dominante Varianten beteiligt: XBB.1.5 im Spätwinter, EG.5.1. ab dem Sommer und JN.1 zum Peak im Dezember – rot eingefärbt ist die Fläche unter der Kurve, das is die relevante Zahl der Infizierten.

Der aktuelle Stand… da fängt das Problem schon an. In Österreich gibt es keine aktuellen Daten. Die meisten Abwasserdaten aus den Bundesländern gehen nur bis 02. Jänner 2024. Die gute Nachricht ist, dass der Peak von JN.1 überschritten wurde. Die schlechte Nachricht besteht aus zwei schlechten Nachrichten: Wir wissen nicht, ob der Rückgang durch die Weihnachtsferien beschleunigt wurde und in den kommenden Wochen ein Wiederanstieg droht, und gleichzeitig haben wir nun offiziell die Influenzawelle eröffnet.

Laut den Einsendungen der Sentinel-Ärzte an die Virologie Wien war die Verteilung zuletzt so:

VirenKW51KW52KW1
Anzahl Proben417170231
SARS-CoV230%28%35%
Influenza10%22%29%
RSV10%13%9%
Rhinoviren5%11%11%
90% der eingesendeten Influenzaproben sind vom Subtyp A H1N1 (pdm), der auch im aktuellen Influenza-Impfstoff enthalten ist, dargestellt sind die Sentinelproben mit positivem Virusnachweis

Etwa ein Drittel der Hustenchoräle in den Öffis sind also weiterhin von SARS-CoV2, ein Drittel bald von Influenza und auf niedrigerem Niveau zirkulieren RSV und Rhinoviren. Nur weil der Peak von SARS-CoV2 überschritten wurde, ist das kein Grund zur Entwarnung. Wenn das Hochwasser die Scheitelwelle überschreitet, räumt man ja auch nicht sofort die Sandsäcke weg und öffnet die Deichschutzbarrieren, sondern wartet, bis das Wasser vollständig abgelaufen ist. Die miese Impfquote bei Influenza (ca. 10-15%) rettet uns auch diesen Winter nicht, zumal sie nach einer vorausgehenden Corona-Infektion schwerer verlaufen kann. Oder wie ich durch den Krieg in Osteuropa von Militärexperten gelernt habe: Clusterfuck.

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Eine Bevölkerung in Angst: Wie unreife Abwehrmechanismen den Handlungsspielraum einschränken

Zu Beginn der Pandemie: „Corona ist ein milder akuter Atemwegsinfekt“, später: „Ok, Covid kann chronische multisystemische Verläufe verursachen, wir sind nur nicht überzeugt, dass wir die Krankheit ausrotten müssen.“ – Ups… Scheiße.

„Hat man Angst vor Corona, wenn man Maske trägt oder Corona?“

fragte mich ein Mitarbeiter im Aufzug vor ein paar Monaten. „Weder noch. Die Infektionszahlen sind wieder hoch“ entgegnete ich, eine schlagfertigere Antwort fiel mir in der Situation leider nicht ein. „Aha„.

Fremder: „Warum trägst Du eine Maske. Es verschreckt die Menschen.“

Ich: „Es tut mir leid, dass ihr alle in Angst lebt.“

Fremder: „Was?“

Ich: „Wenn Dich Masken verschrecken, solltest Du eben daheim bleiben.“

Fremder: „Du kannst von uns nicht erwarten, daheimzubleiben.“

Ich: „Dann rede mit Deinem Therapeuten über Deine Angst vor Masken. Übernimm Eigenverantwortung!“

@Guiness_Pig, 20.12.23

Die wahren Helden in der Pandemie sind für mich jene Menschen, die trotz abwertender Blicke und abschätziger Bemerkungen bis hin zu verbalen und körperlichen Angriffen standhaft bleiben und weiterhin versuchen, sich selbst und ihr engstes Umfeld zu schützen – manchmal selbst gegen die Widerstände des Umfelds selbst. Sie haben sich entschieden, ihre persönliche Freiheit in einer Pandemie nicht gegen Egoismus und Empathielosigkeit einzutauschen. Dafür gebührt ihnen Hochachtung. Die österreichische Bevölkerung denkt leider zu einem signifikanten Teil (30-50%), dass der Staat kein Recht habe, in das Leben der Menschen einzugreifen und die persönliche Freiheit über dem des Gemeinwohls stehen würde (siehe Wissenschaftskepsis-Studie S. 106). Eigenverantwortung wird mit persönlicher Freiheit, aus Bequemlichkeit andere zu gefährden verwechselt.

Die Gründe dafür, weshalb die Menschen so denken und handeln, wie wir das täglich trotz rekordhoher Infektionszahlen, Krankenstände in allen Lebensbereichen, schweren Langzeitfolgen und plötzlicher, unerklärlicher Todesfälle junger Menschen erleben, sind vielschichtig. Desinformation durch Regierung und Medien, niedrige Gesundheitskompetenz, rechtsradikale Ideologie und weit verbreiteter Aberglauben und Steiner-Philosophie spielen ebenso eine wichtige Rolle wie der erbärmliche Zustand des Journalismus als wichiges Kontrollorgan des Parlaments und hausgemachteter Missverständnisse, wie guter Journalismus in einer Pandemie (Stichwort: False Balance) auszusehen hat.

Diese Gründe detailliert zu analysieren, könnte zu einer Lebensaufgabe ausarten – ich möchte mich daher in diesem Beitrag auf die wesentlichen Abwehrmechanismen der menschlichen Psyche in krisenhaften Zeiten konzentrieren – und wie man damit umgehen bzw. was man bessermachen kann.

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Pandemierevisionismus als Weihnachtsgeschenk

Rund um den Höchststand in den Abwasserzahlen – zugleich die höchsten Infektionszahlen seit Pandemiebeginn – hält die Bundesregierung eine Pressekonferenz zum Thema „Nach Corona“ – Aufarbeitungsprozess

Für die Mehrheit der Bevölkerung ist Corona vorbei, weil man ihnen eingeredet hat, dass es vorbei ist. Bei Rekordkrankenständen wegen dem Coronavirus, bei über 1000 stationären Aufnahmen wegen dem Coronavirus, bei über 2000 Aufnahmen aufgrund von schweren Infekten, die über die Atemwege übertragen werden und durch die gleichen Schutzmaßnahmen verhindert werden könnten wie SARS-CoV2 auch. In der 49. Kalenderwoche (4-10.12.) wird Österreich wahrscheinlich in eine substantielle Übersterblichkeit kippen, bei den 0-14jährigen ist es bereits ein neuer Höchstand . SARS-CoV2 hat weiterhin beträchtliche Langzeitfolgen und wer seine Impfung nicht regelmäßig auffrischt und sich stattdessen wiederholt infiziert, erhöht sein Risiko, diese zu bekommen: Autoimmunerkrankungen, metabolische Störungen und Durchblutungsstörungen des Gehirns, erhöhtes Risiko für Schlaganfälle, Epilepsie und Demenz, schwere kognitive Einbußen auch in jungen Jahren mit einer Post-Covid-Symptomatik, die sich zwei Jahre und länger halten können – kurz gesagt, ein ganz normales Erkältungsvirus, wie wir es schon vor der Pandemie kannten (ich sollte Ironie besser kennzeichnen).

In diese aktuelle Situation mit Höchstständen bei den Infektionszahlen, die niemand bestreiten wird, nicht einmal jene, die gleichzeitig sagen, dass die Pandemie vorbei ist und nicht verstehen, warum sie sich ständig infizieren, in diese Situation hinein wird also das „Ende des Aufarbeitungsprozess“ NACH CORONA präsentiert, auch Versöhnungsprozess genannt, was einen bitteren Nachgeschmack hat, weil nach Ende der Apartheid in Afrika auch Versöhnungskommissionen eingesetzt wurden:

„Besonders umstritten war, dass die Täter für ihre gestandenen Taten nicht nur vor Strafverfolgung geschützt waren, sondern auch vor zivilrechtlichen Schadensersatzklagen von überlebenden Opfern oder Hinterbliebenen.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrheits-_und_Vers%C3%B6hnungskommission#cite_note-csvr-8

Der Bundeskanzler hustend vor der Presse: „Tschuldigung, ist ein grippaler Infekt…(hust) … mit längerer Zeit.“ Ein Journalist vom ORF, offensichtlich krank: „Entschuldigen Sie, ich bin auch bedient.“ Nehammer: „Ich verstehs.

Keine Masken.

Katharina Reich, Generaldirektorin für Öffentliche Gesundheit im Gesundheitsministerium:

„Ja, nun sind die Zeiten anders, die Pandemie ist vorbei. Wir erleben jedoch, ja, derzeit die größte Coronawelle bisher.“

Damit wäre eigentlich schon alles gesagt.

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