„Es ist Zeit, dass die Kinder zurück ins Wasser gehen. Nur 1% von ihnen wird gefressen.“ Credits: Steve Daugherty (@stepd0c)

„Vulnerable Children really count“ von Jonathan Howard (25.08.23)

Steigende Suizide wegen Lockdown? Uneinholbare Bildungsverluste wegen Schulschließungen? Psychische Schäden wegen Maske tragen? Infektionen für Kinder harmlos? Immunschuld? Regelmäßige Infektionen notwendig fürs Immunsystem? Alles widerlegt. Die Durchseuchung der Kinder war und ist ein Verbrechen.

Verglichen mit ihren Eltern weisen Kinder 6 Monate nach ihrer Infektion deutlich geringere IgG-Antikörper auf (Bloise et al. 2021).

Schwere Akutverläufe

Anteil der Covid-bedingten Hospitalisierungen mit Vorerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen (5-17 Jahre) nach Altersgruppe zwischen Januar und Juni 2023 (XBB-Varianten) in den USA. Mehr als die Hälfte der betroffenen Kinder war zuvor gesund, die häufigsten Vorerkrankungen waren Frühgeburt und Asthma, beides ist relativ häufig, die Mehrheit war nicht vollständig geimpft, bei den unter 4jährigen waren 86% ungeimpft, Quelle: NCIRD, 12.09.23

allgemeine Einschätzungen:

Im Verlauf der Pandemie ging zwar die Zahl der Kinder auf der Intensivstation bei allen Altersgruppen zurück, nicht aber bei den unter 5jährigen bei Beatmung und Sauerstoffunterstützung (Zhu et al. 2023)

Ist Covid19 für Kinder harmloser als die Grippe oder RSV? Karl Zwiauer, Kinderarzt und Mitglied des Nationalen Impfgremiums, war im September 2021 noch der Meinung:  „Wir kennen keine Kinderkrankheit, die so belastend ist wie die Covid-Erkrankung.“

Es ist richtig, die Mehrzahl der Infektionen verläuft mit harmlosen Symptomen oder komplett symptomfrei. Das war allerdings auch bei Poliomyelitis der Fall, wo 72% der Infektionen asymptomatisch verlaufen sind. Bei 5-10% der symptomatischen Verläufe war das Zentralnervensystem beteiligt mit einer aseptischen Meningitis, nur bei 1% traf die gefürchtete paralytische Poliomyelitis auf, die “klassische Kinderlähmung”. In den 60ern startete eine große Impfaktion, seit 2002 gilt Europa als poliofrei.

abhängig von den Varianten:

  • In England sind während der ersten 12 Monate der Pandemie 61 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren wegen SARS-CoV2 verstorben
  • Vor Omicron betrug die Fallsterblichkeit bei Kindern 0-2%, die 2% bei hospitalisierten Kindern (Nikolopoulou and Maltezou 2022)
  • Die meisten Todesfälle betrafen die ersten 30 Tage nach der Infektion und vor allem Kinder mit spezifischen Vorerkrankungen (Bertran et al. 2022). Zu diesem Ergebnis kam auch eine Studie aus Deutschland, allerdings traf das nicht bei dem Multientzündungssyndrom MISC/PIMS zu, das mehrheitlich Kinder ohne Vorerkrankungen betrifft. (Sorg et al. 2022).
  • verglichen mit Delta gab es mit BA.1 weniger schwere Verläufe bei Kleinkindern (Wang et al. 2022), allerdings war ein Fünftel aller toten Kinder in den USA auf BA.1 zurückzuführen – weil Omicron so ansteckend war
  • Im Vergleich zu Influenza und Parainfluenza war auch BA.2 neuropathogener und die oberen Atemwege stärker betroffen (Tso et al. 2022)
  • Omicron-Varianten sorgen für mehr Fieber und Lungenerkrankungen als Alpha. Schwere Verläufe treten nicht häufiger auf, aber auch nicht viel seltener (Sumner et al. 2023)
  • In Japan sind mit Ausbreitung der Omicron-Varianten mehrere gesunde Kinder verstorben, darunter vier Kinder unter einem Jahr.
  • Die Todesfälle bei Kindern zwischen 1 und 17 Jahren stiegen im Jahr bis zum 31.03.23 im Vergleich zum Vorjahr um 16% (Elisabeth Mahase 11/2023).
Abb.1 Von den bekannten Atemwegsinfekten seit den 90er Jahren hat nur Covid19 mehr als 100 US-Kinder einem Monat getötet. Alleine während DELTA und OMICRON alleine kam das drei Mal vor. In den USA zählt Covid19 zu den führenden Todesursachen bei Kindern und Jugendlichen unter 19 Jahre (Flaxman et al. 2022, Flaxman et al. 2023).

Warum aber gibt es mehr Todesfälle mit OMICRON, obwohl es weniger schwere Verläufe gibt? Statistik. Ein geringer Anteil von einer großen Anzahl ist immer noch eine große Anzahl.

Österreich

Laut Zurl und Strenger (2023, S. 21) gab es im Zeitraum März 2020 bis November 2022 insgesamt 6583 Patienten im Alter von 0 bis 19 Jahren mit insgesamt 6978 stationären Aufenthalten, die meisten Aufnahmen gab es bei Kleinkindern (0-4 Jahre) mit 3552 PatientInnen, deren Anteil die letzten Jahre kontinuierlich gestiegen ist. Im Schnitt lagen sie zwei Tage auf der Normalstation (Erwachsene sieben Tage), Intensivaufenthalte gab es bei 521 PatientInnen (7,8%) und 15 Todesfälle wurden registriert. Bei 3% der PatientInnen hat man MIS-C festgestellt, wobei der Anteil seit DELTA/OMICRON zurückgegangen ist.

Deutschland

Zwischen März 2020 und November 2022 waren rund 27% der schweren Verläufe bei Kindern und Jugendlichen mit Grunderkrankungen, am häufigsten Übergewicht, neuromuskuläre Krankheiten, Frühgeburt und Magendarm-, Herz- und Atemwegskrankheiten. 3% wurden intensivpflichtig, als Hauptrisikofaktoren hierfür galten Alter (1-4 Jahre und über 12 Jahre), Übergewicht, neuromuskuläre Erkrankungen, Trisomie 21 und andere genetische Syndrome, Koinfektionen zur Zeit der Hospitalisierung. Mit Omicron verschieb sich die Hochrisikogruppe zu den 1-4jährigen (Doenhardt et al. 01/2024).

Risikofaktoren

Megan et al., Epidemiology of COVID-19 in Infants in the United States: Incidence, Severity, Fatality, and Variants of Concern – sehr niedrige Impfraten, und ständige Virusexposition deuten auf ein beständiges Problem der Öffentlichen Gesundheit hin, Impfung der Mutter und Kleinkind sehr wichtig (12/2023)

Ein höheres Sterberisiko haben Kinder mit Immunschwäche (Abolhassani et al. 2022) und Downsyndrom (Clift et al. 2020). Das heißt im Umkehrschluss: Ohne Schutzmaßnahmen in Bildungseinrichtigungen schließt man kranke und behinderte Kinder vom Sozialleben aus. Bei Schulschließungen wird gerne mit psychischen Schäden durch mangelnde Sozialkontakte gesprochen. Wer denkt an die Kinder, die infolge der mehrfachen Durchseuchung einen schweren Verlauf hatten oder verstorben sind?

Wilde et al. (05.07.23) haben untersucht, wie viele von 3,2 Millionen infizierten Kindern in England ins Krankenhaus mussten – es waren knapp 30 000. Davon mussten 1710 intensivmedizinisch behandelt werden. 70 Kinder starben. Buben, Kleinkinder und ethnische Minderheiten hatten ein höheres Risiko für einen Spitalsaufenthalt.

Übersterblichkeit

Daten aus den USA: Monatliche Änderungen in der Pandemie, verglichen mit 2015-2019. Mit Omicron starben im Jänner 2022 mehr Kinder in einem Monat als mit Influenza im ganzen Jahr. Am stärksten betroffen sind jetzt die jüngsten und am wenigsten Geimpften. Schutzmaßnahmen haben auch andere Kindersterblichkeitsursachen im ersten Pandemiejahr zurückgefahren. Nahezu alle Schulen in den USA waren ab Frühling 2021 wieder 100% in Präsenz. Unmittelbar nach der Zwangsdurchseuchung schoss die Übersterblichkeit bei 5-17jährigen in die Höhe

Akute Infektion in der Schwangerschaft und bei Säuglingen

Covid19 kann bereits in der Schwangerschaft gefährlich werden. Ein erster systematischer Review vorhandener Literatur erschien dazu bereits von Allotey et al. (01.09.20). Demnach traten Fieber, Husten, Atemnot und Gliederschmerzen seltener auf, dennoch war das Risiko für schwere Verläufe mit Intensivaufenthalt höher als bei nichtschwangeren Frauen. Schwangere Frauen mit Covid19 hatten ein erhöhtes Risiko für Frühgeburten und zu sterben.

Trotzdem behauptete AGES-Public-Health-Chef Allerberger am 26.10.2020 beim Ö3-“Frühstück bei mir”-Interview, dass Schwangere kein erhöhtes Risiko hätten.

wir sehen regelmäßig riesige Probleme bei Schwangeren bei der Grippe, und das haben wir bei Covid nicht.”

Eine milde Infektion in der Schwangerschaft kann auch die Lungenentwicklung des Fötus soweit beeinträchtigen, dass das Lungenvolumen reduziert ist. (Stoecklein et al. 16.03.22), eine Infektion im Trimester steigert das Risiko von Frühgeburten (Fallach et al., 20.07.22), im Stuhl von Neugeborenen fand man Virenreste, wenn die Mütter mehrere Wochen vor der Geburt infiziert waren. Ein Neugeborenes starb an einer Autoimmunerkrankung (Jin et al., 19.08.22), auch eine Entzündung der Plazenta kurz vor der Geburt ist eine unterschätzte Komplikation einer Covid19-Erkrankung (Sichitiu et al., 04.11.22).

  • Infizierte Säuglinge können signifikante psychomotorische Beeinträchtigungen beeinträchtigen und leicht verzögerte Entwicklung in der entscheidenden 18-24 Monate Entwicklungsphase tritt gehäuft auf (Ergon et al. 2024)
  • Torche and Nobles (2023): Vor allem in den ersten 2 Pandemiejahren deutlich mehr Frühgeburten bei Infektion in der Schwangerschaft, Phänomen nach 2 Jahren nahezu vollständig verschwunden, in Regionen mit hoher Impfrate schon nach einem Jahr verschwunden, was nahelegt, dass die Impfungen Tausende von Frühgeburten verhindert haben.
  • Smith et al. (2023) haben in über 12 Ländern nachgewiesen, dass es ein klar erhöhtes Risiko von Covid in der Schwangerschaft gibt, insbesondere erhöhte Sterblichkeit der Mutter, schwere Verläufe, Gefahr von Lungenentzündung, Schwangerschaftsvergiftung, Embolien. Säuglinge von infizierten Müttern waren eher beamtungspflichtig oder untergewichtig oder zu früh geboren.
  • In den ersten Schwangerschaftswochen können – zwar weiterhin selten, aber gehäuft – Fälle von fetalem Situs inversus (Organe liegen falsch herum im Körper) auftreten (Wang et al. 2023)
  • Säuglinge von Müttern, die sich in der Schwangerschaft infiziert haben, hatten ein drei Mal so hohes Risiko für Atemnot wie von gesunden Müttern, selbst wenn sich die Säuglinge selbst nicht infiziert haben. Waren die Mütter geimpft, war das Risiko deutlich geringer – selbst eine Impfung reduzierte das Risiko erheblich (Man et al. 2024)
  • Anomalien bei vorgeburtlichen Föten unabhängig der Varianten feststellbar, aber bei Varianten vor Omicron deutlichere Schädigungen wie Thromben oder Blutungen, Plazenta weniger geschädigt (Kienast et al. 2024, Aussendung)
  • Entwicklungsverzögerungen können bei Kindern auftreten, die sich im Mutterleib infiziert haben (Fajardo-Martinez et al. 2024)