Daten, Fakten, Aufklärung

Die WHO und die Pandemie

In den Niederlanden wird seit Ende März 2020 die Konzentration von SARS-CoV2 im Abwasser gemessen. Damit handelt es sich um eine der längsten, durchgehendenden Zeitreihen der Pandemie, Stand KW 22 (27-31.05.2024)

Weltweit steigen seit Mai und Juni die Abwasserkonzentrationen und – falls verfügbar – auch die Zahl der positiven Tests wieder an. Hawai und San Francisco meldeten sogar Rekordwerte seit Pandemiebeginn. In vielen europäischen Ländern werden zugleich auch Anstiege bei Spitalsaufnahmen verzeichnet. In allen Fällen finden die Wiederanstiege gleichzeitig mit der Dominanz gewinnenden KP.3-Variante statt, welche die Fluchtmutation F456L und die auf Basis von F456L und L455S ACE2-Binding erhöhende Mutation Q493E enthält. F456L war bereits bei EG.5 (XBB.+F456L) enthalten, dann kam BA.2.86 und JN.1 (+L455S) und jetzt ist F456L erneut mit von der Partie.

Für Politik und Gesundheitsbehörden ebenso wie für die Gesellschaft ist die Pandemie dennoch vorbei, obwohl die WHO die Pandemie nie für beendet erklärt hat. Wie passt das zusammen? Läuft die Pandemie noch? Wann wird die WHO das Ende erklären? Kann sie das überhaupt? Selbst wenn wir auf Social Media oder hier auf meinem Blog zum Schluss kommen, dass die Pandemie weiterhin andauert, ändert das leider nichts an der öffentlichen Wahrnehmung und dem Umgang der Staaten mit wiederkehrenden Infektionswellen. Die Frage, ob wir uns weiterhin in einer Pandemie befinden, ist weitaus differenzierter zu eruieren als es mit dem Blick auf das weltweite Infektionsgeschehen beantwortet werden dürfte.

Hintergrund und Chronologie der SARS-CoV2-Pandemie

Die WHO hat den Ausbruch von SARS-CoV2 am 30. Jänner 2020 als Internationalen Gesundheitsnotstand (PHEIC) deklariert und diesen am 5. Mai 2023 beendet. Im Statement zum Ende des PHEIC wurde festgehalten, dass Corona selbst nicht vorbei ist:

it no longer fit the definition of a PHEIC. This does not mean the pandemic itself is over, but the global emergency it has caused is, for now.”

This virus is here to stay. It is still killing, and it’s still changing. The risk remains of new variants emerging that cause new surges in cases and deaths. The worst thing any country could do now is to use this news as a reason to let down its guard, to dismantle the systems it has built, or to send the message to its people that covid-19 is nothing to worry about.”

WHO-Chef Tedros am 05. Mai 2023, Pressekonferenz

Die Kriterien für ein PHEIC sind erfüllt, wenn …

    • ein außergewöhnliches Ereignis vorliegt
    • ein öffentliches Gesundheitsrisiko für andere Staaten durch internationale Verbreitung besteht
    • international koordiniertes Vorgehen erforderlich ist

Die Ausrufung und Beendigung des PHEIC hat mehr rechtliche Konsequenzen für die Staaten als gesundheitliche für den Einzelnen. Zudem wurde das Ende der PHEIC unter Wissenschaftlern durchaus kritisch gesehen, wie diese Zusammenstellung des britischen Science Media Centres zeigt – es würde lediglich die politische, aber nicht die epidemiologische Realität widerspiegeln.

Pandemie ist kein offizieller Begriff der WHO. Daher kann sie eine Pandemie weder formell ausrufen noch für beendet erklären.

Am 24. Februar 2020 sagte ein WHO-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters, dass sie den Begriff Pandemie nicht länger verwenden, aber der Covid19-Ausbruch ein internationaler Notfall bliebe, der sich wahrscheinlich weiter ausbreiten würde.

Pandemische Phasen laut WHO (2009) – nicht mehr verwendet!

Es gebe keine offizielle Kategorie für eine Pandemie – das alte System der 6 Phasen (Phase 1: vorwiegend Berichte von tierischer Influenza, bis Phase 6: Pandemie) wie bei H1N1 von 2009 werde nicht mehr verwendet. Damals gab es Kritik an der schnellen Ausrufung der Pandemie, weil die Verläufe meistens mild waren und Pharmakonzerne verfrüht zur Entwicklung von Impfstoffen gezwungen wurden, die dann nicht mehr notwendig waren.

Entsprechend würde eine Pandemie einen Ausbruch eines neuartigen Erregers bezeichnen, der sich weltweit leicht von Mensch zu Mensch überträgt.

Die Pandemie wurde am 11. März 2020 durch die WHO ausgerufen, obwohl die führende Coronavirus-Expertin der WHO sagte, dass sie keine Pandemien ausrufen.

Erst am 1. Juni 2024 haben sich die Mitgliedsstaaten der WHO in Genf darauf geeignet, dass sie künftig die Fähigkeit haben wird, einen „pandemischen Notfall“ auszurufen.

Pandemischer Notfall:

Ein PHEIC, das durch eine übertragbare Krankheit verursacht wird und …

ii) die Kapazitäten der Gesundheitssysteme überlastet oder ein hohes Risiko dazu besteht, und …

iii) beträchtliche soziale und/oder wirtschaftliche Störungen, einschließlich internationalem Verkehr und Handel verursacht, oder ein hohes Risiko dazu besteht, und …

iv) rasche, angemessene und erweiterte koordinierte internationale Aktionen erfordert, mit Maßnahmen, die regierungs- und bevölkerungsweite Teilnahme erfordern.

Für den Stand Juni 2024 trifft demnach nur noch i) zu. Vielfach wurde die Meldepflicht aufgehoben und Spitäler müssen die Aufnahme von SARS-CoV2-Patienten nicht mehr melden, sodass erst stark verzögert die Entlassungsdiagnosen wie im österreichischen SARI-Monitoring zur Verfügung stehen, wenn überhaupt. Gleichzeitig ist die Zahl der schwer akut an SARS-CoV2-Erkrankten deutlich zurückgegangen, insbesondere der Intensivpatienten. Für ii) ebenso wie für iii) ist es nationale Definitionssache, wie man die Schwellenwerte für „Überlastung“ bzw. „beträchtliche Störung“ ansetzt. Internationale Koordination und Mitarbeit der Bevölkerung wären wünschenswert, aber Bereitschaft besteht dazu schon länger nicht mehr.

Nach ihrer eigenen neuen Definition müsste die WHO also den pandemischen Notfall für SARS-CoV2 beenden oder zumindest in Frage stellen. Aus rechtlicher und behördlicher Sicht ist es leider nicht egal, wann eine Pandemie als beendet erklärt wird, denn Pandemiepläne und entsprechende Gegenmaßnahmen basieren auf formalen Erklärungen.

Unterschiedliche Sichtweisen unter Wissenschaftlern

Während sich alle seriösen ExpertInnen einig sind, dass das Virus nicht verschwunden ist und dauerhaft unter uns weilen wird, gehen die Ansichten zur Benennung des aktuellen Zustands auseinander.

Die WHO sagt …

“While the international public health emergency may have ended, the pandemic certainly has not.”

Hans Henri P. Kluge, Regionaldirektor für die WHO Europa, 12.06.23

Für die WHO spielt es daher keine Rolle, wie ansteckend und krankmachend das Virus ist und wie viel Bevölkerungsimmunität da ist. Pandemie herrscht, wenn das Virus mehrere Länder abdeckt. Endemisch wird es dann genannt, wenn es auf eine bestimmte Region begrenzt ist, wie Malaria etwa in manchen afrikanischen Ländern. Eine Pandemie kennt keine Grenzen, während eine Epidemie innerhalb einer bestimmten Region wütet, aber meist eingedämmt oder kontrolliert werden kann.

WHO-Exekutivdirektor Mike Ryan geht noch einen Schritt weiter. In den meisten Fällen würde eine Pandemie wahrhaftig erst dann enden, wenn die nächste beginnt. Ryan sagt, dass es keinen Zeitpunkt geben wird, wo die WHO herkommt und sagen würde, die Pandemie sei beendet.

Infektiologe Anthony Fauci, Ex-Berater der US-Regierung stellte klar, dass das Wesen des Notfalls vorüber sei, und das würde die Leute jetzt verwirren. Es bedeutet nicht, dass wir damit aufhören sollten, sich zu impfen oder unter bestimmten Umständen Maske zu tragen. Immunsupprimierte Menschen sehen keinen Unterschied zu vor, in einer US-Umfrage denkt nahezu die Hälfte von ihnen nicht, dass ihr Leben jemals wieder zur Normalität von vor der Pandemie zurückkehren würde (USA Today, 12.05.2023).

Die australische Epidemiologin Raina MacIntyre ist der Überzeugung, dass SARS-CoV2 niemals endemisch sein kann, weil es sich um eine epidemische Krankheit handelt, die wiederkehrend hohe Infektionswellen verursacht. Es würde nicht möglich sein, mit COVID zu leben, sondern Impfstoffe und öffentliche Gegenmaßnahmen müssten vorhanden bleiben, um das Virus zu kontrollieren.

Herr Krammer, ist die Corona Pandemie für Sie eigentlich vorbei?

Florian Krammer: Für mich nicht. Für mich sind auch Influenza-Pandemien der Jahren 1968 und 2009 nicht vorbei. Wir müssen uns mit den Konsequenzen beschäftigen, und wir müssen uns damit beschäftigen, wie unser System darauf reagiert und wie man sich besser davor schützen kann. Diese Viren zirkulieren ja weiter. Also für mich ist die Pandemie in dem Sinne nicht vorbei.

Interview von Elke Ziegler, ORF (04.04.24)

Krammer führte weiter auf Twitter aus, dass wir auf Influenza bezogen dann sagen müssten, dass wir immer noch in der 1968er H3N2-Pandemie sein würden. Auch saisonale Influenza würde jährlich 290 000 bis 650 000 Tote hervorrufen, ein Großteil davon durch H3N2. Nur durch den Umstand, dass das Virus weiterhin zirkuliert und enorme Schäden anrichtet, hätten wir viele Pandemien, die immer noch andauern.

Die WHO sei diesbezüglich inkonsequent, wann eine Pandemie vorbei sei und wann nicht (siehe HIV vs. Influenza, die HIV-1-Pandemie ist formal nicht beendet). Er würde dafür auch Faktoren wie die Fallsterblichkeitsrate (CFR), verfügbare Gegenmaßnahmen und Vorliegen eines Internationalen Gesundheitsnotstands betrachten. Eine große Welle wie im Frühwinter 2023/2024 JN.1 wäre noch kein Beleg für eine Pandemie, das hätte es 1947 auch mit der “pseudopandemischen” Influenza gegeben.

Unterschied zwischen endemischer und epidemischer Zirkulation laut Boston University

Nach der Boston University würden wir uns demnach weiterhin in einer epidemischen Zirkulation befinden, wie auch die Abwasserdaten zahlreicher Länder nahelegen – und da dies in mehreren Ländern kontinentübergreifend der Fall ist, würde es sich weiter um eine Pandemie handeln.

„Endemic refers to the constant presence and/or usual prevalence of a disease or infectious agent in a population within a geographic area.“

CDC (USA):

Nach der CDC-Definition bleibt jedoch unklar, ob dieses geographische Gebiet auch die ganze Welt umfassen darf.

Virus-Evolution geht weiter:

Evolution von Alpha-Coronaviren (links, wie Influenza A), Beta-Coronaviren (Mitte, wie Influenza B) und Influenza H3N2 (rechts, Driftvariante)

Die kontinuierlichen Veränderungen im Spike-Protein und teilweise auch in anderen Bereichen führen dazu, dass die Immunantwort auf das eindringende Virus immer wieder aktualisiert werden muss. Virologen unterscheiden hier zwischen shift und drift (siehe Erläuterungen hier). Antigenische Drift führt zu leicht veränderten Antigenen, wobei das Immunsystem aber nicht völlig umgangen wird, weil noch Kreuzimmunität gegen Bestandteile der veränderten Variante besteht. Das ist bisher bei allen Virusvarianten von SARS-CoV2 der Fall gewesen. So gesehen handelt es sich nicht mehr um einen neuartigen Erreger, selbst dann, wenn es innerhalb der Virusentwicklung zu einem Sprung kommt wie mit den Omicron-Varianten oder Pirola (BA.2.86). Es braucht dann keine völlig neuen Impfstoffe, sondern Anpassungen an die jeweiligen Spike-Mutationen.

Bisherige Virusevolution mit in Mitteleuropa dominanten Varianten, stark vereinfacht, eigene Skizze

Diie von der WHO als “Variant of Interest” eingestufte JN.1-Variante war bis dato die immunflüchtigste ist (Yang et al. 2023).

Bei einem shift-Ereignis wird ein Virus mit einem komplett neuen Antigen erzeugt, etwa mit dem Influenzavirus, das in den Jahren 1918 (Spanische Grippe), 1957 (Asiatische Grippe), 1968 (Hong Kong Grippe) und 2009 (H1N1, “Schweinegrippe”) jeweils eine Pandemie ausgelöst hat.

Die Voraussetzungen für eine Pandemie sind demnach dann erfüllt, wenn ein neuartiger Erreger auf eine immun-naive Bevölkerung trifft – im Unterschied zur saisonalen Influenza, die jährlich während einer bestimmten Jahreszeit auftritt und typischerweise weniger schwere Erkrankungen verursacht, weil es von vorhergehenden Virussträngen Kreuzimmunität gibt.

Im Unterschied zu Influenza mutiert SARS-CoV2 wesentlich häufiger (Markov et al. 2023) und die antigenische Drift führt gemeinsam nachlassender Immunität zu mehreren Wellen pro Jahr (Albright et al. 2023). Es hat sich auch nicht bewahrheitet, dass SARS-CoV2 mit fortschreitender Virusentwicklung und Bevölkerungsimmunität nurmehr “Miniwellen” verursachen würde (Callaway 05/2023). Diese und andere Aussagen wie von Virologe Drosten (“virologische Sackgasse”, Die Zeit 11/2022) scheinen mir mehr auf den jeweils damaligen Ist-Zustand zu passen, aber nicht als zuverlässige Prognose.

Andere Definitionen für ein Pandemie-Ende

Historiker unterscheiden das medizinische Ende, wenn die Zahl der Erkrankten stark zurückgeht vom sozialen Ende, wenn die Angst vor der Krankheit abnimmt, die Menschen die Einschränkungen nicht mehr hinnehmen wollen – und lernen, mit der Krankheit zu leben (siehe Beitrag auf Quarks, 08.09.20)

Häufig ist auch davon die Rede, dass wir nun eine völlig andere Situation als 2020 oder 2021 hätten, weil es Impfungen und Medikamente geben würde. Doch der Zugang zu Auffrischimpfungen wurde je nach Land teilweise stark eingeschränkt und ist bestimmten Alters- oder Risikogruppen vorbehalten. Ebenso sind wirksame Medikamente wie Paxlovid nurmehr für eng definierte Risikogruppen gedacht, doch selbst diese haben Probleme, erst einmal an erschwingliche und aussagekräftige Tests zu kommen. Prinzipiell hätten wir also die Mittel, um das Virus in der Schwere einzudämmen, aber sie werden nicht angewendet. In der letzten JN.1-Welle betrug die Übersterblichkeit in Österreich 20% – bei mageren 7% Impfrate und einen akuten Mangel in der Paxlovid-Versorgung.

Gänzlich vergessen wird bei allen (!) Definitionen und Einordnungen die hohe Zahl an Langzeitfolgen-Betroffenen, die unter der Umbrella Longcovid und bei chronischem Verlauf mit Überlastungsintoleranz als MECFS-Betroffene erfasst werden. Diese geht weltweit in die hunderte Millionen Betroffenen, die mit milden bis schweren körperlichen und kognitiven Einschränkungen leben müssen.

Was das soziale Ende betrifft, haben die Regierungen kräftig nachgeholfen, indem sie Omicron und nachfolgende Untervarianten als mild herunterspielten, und so die „Angst“ gewichen ist, bevor die Impfrate wirklich signifikant gestiegen ist. Die Politiker haben die Einschränkungen als größeren Schaden als die Virusfolgen hingestellt, um Wählerstimmen zu (zurück)gewinnen. Richtig gelernt, mit der Krankheit zu leben, hat indessen niemand, denn bei neuen Wellen sind viele wieder überrascht, dass es das Virus überhaupt noch gibt, und wer bis heute versucht, sich weiterhin zu schützen, wird gesellschaftlich ausgegrenzt.

Die Medizinhistorikerin Dora Vargha weist darauf hin, dass die Pandemie von unterschiedlichen Gruppen anders erlebt wird. Sie sprach schon im März 2021 davon, dass es im besten Fall eine „neue Normalität“ geben würde.

„Dass eine Epidemie zu Ende ist, wissen wir erst lange nach ihrem eigentlichen Ende.“

Pandemien gehen nicht nur zeitlich, sondern auch räumlich unterschiedlich zu Ende. Bestehene Ungleichheiten können sich verfestigen, etwa anhaltend hohe Wellen in Entwicklungsländern mit immungeschwächter Bevölkerung und geringere Wellen in Ländern, wo seit jeher eine andere Kultur im Umgang mit Infektionskrankheiten besteht, etwa in Asien.

“I think there is this sort of social psychological issue of exhaustion and frustration,” the Yale historian Naomi Rogers said. “We may be in a moment when people are just saying: ‘That’s enough. I deserve to be able to return to my regular life.’”

New York Times, Mai 2020 (Update Dezember 2021)

Mit Blick auf Juni 2024 ist die Pandemie sozial längst zu Ende gegangen – bereits 2022 hat das begonnen, als die Regierung die Covid-Regeln sukzessive abgebaut hat und auch China unter dem Druck des westlichen Umgangs mit den Omicron-Varianten seine strikte ZeroCovid-Politik aufgegeben hatte.

Molekularbiologe Ullrich Elling hat im Juli 2021 die entscheidende Frage gestellt:

„Die Frage wird sein, wie viele Tote und Long-Covid Patienten versus wie viel Lockdown die Gesellschaft akzeptiert.“

Wie wir bereits 2021 durch Parteigründungen wie MFG, Partei-Initativen wie „Grüne gegen Impfung“ und die massive Abwehr von zur Beibehaltung von Tests, Masken, Isolation und anderer Schutzmaßnahmen quer durch die Gesellschaft gesehen haben, war die Bevölkerung offenbar schnell bereit, „Vulnerable“ zu opfern, um „in mein normales Leben“ zurückzukehren. Lufthygiene-Maßnahmen wurden weder politisch, wissenschaftlich noch medial so breit diskutiert wie es einer echten Lernkurve aus der Pandemie entsprochen hätte.

Was nun?

Wir können jetzt zwar darauf beharren, dass die Pandemie medizinisch nicht vorbei ist, weil zwar die akute Erkrankungsrate selbst zu Peakzeiten relativ deutlich niedriger ist und auch die Verläufe seltener tödlich verlaufen, aber weil LongCOVID weiterhin ein Problem darstellt.

Die Pandemie wäre medizinisch weit besser im Griff, wenn wir die erworbenen Erkenntnisse und Werkzeuge breiter anwenden würden: Niederschwellige Tests, erleichterter Medikamentenzugang, Impfung für alle Altersgruppen und Lufthygiene im öffentlichen Raum, vor allem in Bildungseinrichtungen, zusätzlich soziale und finanzielle Unterstützung, also weiterhin Gratistests und -masken, erhöhter Kündigungsschutz und weniger Leistungsdruck auf Kinder, die krankheitsbedingt fehlen.

Regierungspolitiker, wie Bundeskanzler Nehammer und Gesundheitsminister Rauch, äußerten seit etwa Mitte, Ende 2022 immer die gleichen Worthülsen: Die Situation habe sich geändert, wir hätten die Impfung, wir hätten Medikamente, doch beides ist nurmehr erschwert zugänglich und Infektionswellen kommen häufiger als a) angepasste Impfstoffe zur Verfügung stehen und b) Impfkampagnen anlaufen (gar nicht). Selbst betriebliche Covid-Impfungen sind vielfach nicht mehr möglich.

Mein Zugang war zuletzt, in der Überzeugung für Infektionsschutzmaßnahmen wie Lufthygiene nicht weiter auf die WHO zu verweisen, die die Pandemie nie beendet hat, weil sie das nie tun wird. Ich seh das auch deswegen kritisch, weil wir hier bei der WHO cherrypicking betreiben.

Die WHO hat …

  • das PHEIC zu spät ausgerufen
  • sich aus falscher Rücksicht auf China zuerst geweigert, das Virus SARS (2) zu nennen. COVID19-Virus ist doppelt gemoppelt. So hat man verhindert, aus SARS-CoV (1) zu lernen, mit dem SARS-CoV2 genetisch eng verwandt ist.
  • Pressekonferenz im Februar 2020, wo Mike Ryan Tedros bei „airborne“ korrigiert hat – fortan wurde nurmehr von Tröpfchen geredet
  • Händewaschen wurde überbetont
  • Zuerst wurde von Masken gegen die Allgemeinheit abgeraten, angeblich, weil sie nur bei aerosolgenerierenden Prozessen im Krankenhaus einen Nutzen hätten – tatsächlich herrschte anfangs eine Knappheit an Masken
  • 1-2m Abstand halten ohne Evidenz dafür
  • späte Einigung auf eine Definition von LongCOVID, keine Berücksichtigung für das PHEIC
  • späte Anerkennung von Aerosolen als Hauptübertragungsweg
  • Definition Variant of Concern (Voraussetzung für neuen Namen) so geändert, dass sie de facto nie mehr eintreten kann, mit Verweis auf das ewig bleibende „milde Omicron“ wurde die Pandemie sozial beendet.

Es ist daher Rosinen picken, den Status der Virusverbreitung daran festzumachen, was die WHO sagt. Viel wichtiger sind wissenschaftliche Begründungen, um diese Meinung zu validieren, oder als Lehre aus der Pandemie im Hinblick auf andere Infektionskrankheiten und der Zunahme von impfbaren Erkrankungen wie Masern und Keuchhusten unabhängig von SARS-CoV2 auf Infektionsschutz (Lufthygiene u.a.) zu beharren. Die WHO-Ansicht ist damit nicht irrevant, aber auch nicht das Maß aller Dinge.

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