Eine SARS-CoV2-Infektion äußert sich im besten Fall als milde Infektion mit leichten Symptomen, die zuhause auskuriert werden können. Leider ist es bei diesem Virus mit der Akutphase nicht getan. In etwa zehn Prozent der Fälle folgt eine Spätfolgenphase, die zum gefürchteten Long COVID bzw. MECFS führen kann.

Die Therapie und Vorbeugung von Akut- und Spätfolgenphase lässt sich nicht klar trennen, hier soll es aber schwerpunktmäßig darum gehen, wie man sich in der akuten Phase verhält und was man tun kann, um eine Spätfolgenphase zu verhindern. Für therapeutische Möglichkeiten in der Spätfolgenphase, sprich, bei diagnostiziertem LongCOVID gibt es einen eigenen Menüpunkt.

Für leichte Verläufe gelten im Prinzip dieselben Empfehlungen wie bei anderen Virusinfektionen, die sich (zunächst) als Atemwegsinfekte äußern: Medikamente gegen Halsschmerzen nehmen, mit fiebersenkenden Medikamenten warten, da sie die Abwehrleistung des Körpers beeinträchtigen (bis 38,5°C ist es die Betriebstemperatur der Enzyme).

Übersicht zu Medikamenten und Nebenwirkungen:

  • Ibuprofen: fiebersenkend, schmerzlindernd, anti-entzündlich (Achtung: Magen, Asthma)
  • Acetylsalicylsäure: wie Ibuprofen, zusätzlich antithrombotisch (aber nicht mit Heparin vergleichbar)
  • Paracetamol: fiebersenkend, schmerzlindernd, aber schlecht für Leber und Niere
  • Novalgin: fiebersenkend, bei starken Schmerzen (aber: Blutbildveränderungen)
  • Es gibt keinen bewiesenen Nutzen von Vitamic C/D/Zink oder anderen Nahrungsergänzungsmitteln (Chen et al. 2021)
  • Thrombose-Vorbeugung ist sinnvoll, aber Medikamente nur nach Absprache mit dem Arzt einnehmen! Wenn möglich, aufstehen und im Zimmer bewegen, sich aber nicht anstrengen, auch kognitiv nicht! (nicht zu viel lesen oder fernsehen)
  • Histamin-Aktivierung: Histaminausschüttung kann vermehrt stattfinden, normale Antihistaminika (Lorano pro, Cetirizin, Ebastel) sowie die Gabe zweier H1-Hemmer (Vomex und z.B. Lorano) können deutliche Verbesserungen von Magen-Darm- und anderen Symptomen herbeiführen
  • Pulsoxymeter verwenden, Atemfrequenz messen
  • Elektrolyte zuführen und allgemein viel trinken

Wann zum Arzt?

  • wenn die Sauerstoffsättigung längere Zeit unter 92% fällt, bzw. um mehr als 4% nach körperlicher Anstrengung sinkt, auf Atemprobleme/Kurzatmigkeit bei geringer Belastung achten
  • bei gelb-weißlichen Belegen auf den Mandeln
  • wenn das Fieber plötzlich steigt
  • bei unzureichender Flüssigkeitsaufnahme
  • bei bekannten Vorerkrankungen frühestmöglich Absprache mit Hausarzt wegen Paxlovid, monoklonale Antikörper, alternative Medikamente

Im Krankenhaus wird bei positivem Test

  • wird ein Blutbefund angefertigt, Vitalzeichen untersucht
  • Blutverdünnung ist Standardtherapie
  • im frühen Stadium antivirale Therapie (5 Tage)
  • später antientzündliche Therapie (8.-10. Krankheitstag) mit Cortison
  • weitere Möglichkeiten: monoklonale Antikörper gegen Zytokine (Infusion), Sauerstofftherapie, Bauchlage, um Blutversorgung der Lunge zu verbessern

Mit Stand 2024 sind schwere akute Verläufe der unteren Atemwege aber deutlich seltener geworden. Komplikationen können aber auch dann auftreten, wenn man wegen eines anderen medizinischen Problems im Spital liegt und sich dort infiziert.

Antivirale Medikamente

Grundsätzlich gilt: Antivirale Medikamente helfen dann am besten, wenn sie möglichst früh nach Infektionszeitpunkt gegeben werden. Das ist aber genau das Dilemma. Unmittelbar nach Infektionszeitpunkt sind die Symptome noch nicht da (Inkubationszeit) und man weiß mangels Testung nicht, dass man infiziert ist, und wenn die ersten Symptome da sind, neigen Patienten und Ärzte dazu, erst einmal abzuwarten, und erst, wenn es schlimmer wird, antivirale Medikamente zu verabreichen. Dann ist deren Wirksamkeit aber schon deutlich reduziert!

Für sonst gesunde, mehrfach geimpfte Menschen werden antivirale Medikamente derzeit NICHT empfehlen. Es wird angenommen, dass die Immunabwehr bei ihnen nach mehreren Antigenkontakten ausreicht, um das Virus zu bekämpfen.

Paxlovid

Paxlovid besteht aus zwei Wirkstoffen, einem gegen Covid19 und einem Wirkverstärker, der aber nicht nur den Abbau des Wirkstoffs gegen Covid19 hemmt, sondern auch von vielen Medikamenten, darunter Immunsuppressiva, von Risikopatienten. Das kann Wechselwirkungen verursachen (siehe Wechselwirkungsrechner). Paxlovid wirkt virostatisch, da es die proteinlösenden Enzyme der Viren hemmt, aber auch körpereigene Proteasen.

Pfizer deutete den mangelnden Nutzen für gesunde Menschen bei Paxlovid bereits in einer frühen Presseaussendung an. Bei Geimpften mit maximal einem Risikofaktor gibt es keine Verbesserung hinsichtlich schwerer Verläufe gegenüber einem Placebo (Hammond et al. 2024).

Derzeit wird es vor allem noch Hochrisikopatienten verschrieben (aktualisierte S3-Leitlinie, 31.01.24), seit 1. Februar 2024 kostet es auf Privatrezept 900 Euro. In Österreich wird es nurmehr bei positivem PCR- oder Antigentest verschrieben, die Durchführung eines Antigentests beim Arzt ist derzeit – Stand 31.05.24 – allerdings selbst zu zahlen.

Wichtig ist eine gute Durchführung der Therapie, sonst kann es Rückschläge geben (Josh Bloom, 11.01.23). Eine frühzeitige Gabe (0-1 Tage nach ersten Symptomen oder Diagnose) reduziert die Sterblichkeit und schwere Akutverläufe signifikant verglichen mit verzögertem Therapiebeginn (2 und mehr Tage), weshalb niederschwellige Tests und rasch verfügbare Medikamente essentiell sind (Wong et al. 2023).

Hinsichtlich Verhinderung oder Abschwächung von Spätfolgen sind die bisherigen Studienergebnisse differenziert zu sehen:

  • Paxlovid verringert bei älteren Menschen (Durchschnittsalter 66) das Auftreten von Thrombosen und Lungenembolien, hat sonst aber kaum Verringerung der meisten LongCOVID-Symptome zur Folge. (Ioannou et al. 2023)
  • Manche Studien zeigen eine Verringerung der Viruslast und Verkürzung der Infekiösität. Es verringert demnach das Risiko für LongCOVID-Symptome (Ganatra et al. 2022, Xie et al. 2023, Liu et al. 2023), mildert generell die Symptome der akuten Erkrankung und verkürzt den Krankenstand.
  • Bei hospitalisierten 65+ und 3fach geimpften Patienten ausgeprägter Effekt nachweisbar (Wang et al. 2024)
  • Eine Meta-Studie von 9 Beobachtungsstudien hat aber gezeigt, dass eine frühzeitige Gabe von Paxlovid das LongCOVID-Risiko um 23% senkt (Jiang et al. 2024), demnach wäre eine Anwendung für eine breitere Bevölkerungsgruppe anzudenken. Die Risikoreduktion erfolgt demnach, wie schon zuvor angedeutet, über die Reduktion der Virusreplikation.
  • Bei 12-17jährigen Jugendlichen senkt Paxlovid das Hospitalisierungsrisiko um 34%, wobei keine nennenswerten Komplikationen aufgetreten sind. Die Mehrheit war bereits vollgeimpft oder aufgefrischt worden und hatte begrenzte Vorerkrankungen. (Wong et al. 2024)

Weitere Therapie-Optionen

Metformin

Bei einem BMI über 30 oder Diabetes in der Familie kann man Metformin andenken (Bramante et al. 2023), es hemmt die Glukosebildung, durch den reduzierten Stoffwechsel des infizierten Gewebes reproduziert auch das Virus schlechter (Wiernsperger et al. 2022). Die Viruslast wird deutlich reduziert, das Hospitalisierungsrisiko gesenkt. Rebounds kommen seltener vor als mit Paxlovid. Auch das LongCOVID-Risiko wird gesenkt. (Bramante et al. 2024)

Diabetes-Medikament, bitte keine Hamstervorräte anlegen, Diabetiker brauchen dieses Medikament dringender!

Xocova (Ensitrelvir)

Bei schweren Verläufen (wo Remdesivir nicht anschlägt), unabhängig von Risikofaktoren und Impfstatus einsetzbar, evtl. Vorbeugung von LongCOVID-Symptomen (bisher nur in Japan zugelassen), verkürzt Symptomdauer um durchschnittlich einen Tag (Yotsuyanagi et al. 2024).

Simnotrelvir

Bei milden Verläufen, verkürzt symptomatische Phase, bisher nur in China zugelassen – unklar, ob die Wirksamkeit verallgemeinert werden kann. in China gab es bisher vergleichsweise weniger Antigenkontakte als in den anderen Ländern, die die Durchseuchungsstrategie gefahren sind.

ML2006a4 (Boceprevir)

Entstanden aus dem Hepatitis-C-Virus-Protease-Inhibitor Boceprevir, zeigt robuste antivirale Aktivität in vitro und in Mäusen und könnte oral verabreicht werden (Westberg et al. 2024)

Aktualisierte Behandlungsrichtlinien der WHO – November 2023

Zum Verhalten nach Ende der Symptome:

Vorbeugung von Spätfolgen