Aktualisierte Behandlungsrichtlinien der WHO – November 2023

Antivirale Medikamente:

Bei positivem Test andere schützen:

Kontakte informieren, isolieren, FFP2/3 Maske tragen, räumliche Trennung und Einsatz von mobilen Luftfiltern im eigenen Haushalt Krankschreibung

Grundsätzlich gilt: Antivirale Medikamente wie Paxlovid oder monoklonale Antikörper wirken besser, je früher sie nach Infektionszeitpunkt gegeben werden. Durch die anti-wissenschaftliche Gesundheitspolitik der Regierung hat man als Normalbürger aber derzeit Probleme, überhaupt an einen zeitnahen Test zu kommen, speziell an Wochenenden und Feiertagen und dann an einen Hausarzt, der Paxlovid überhaupt empfiehlt/verschreibt.

Für immunsupprimierte Patienten gilt:

Paxlovid besteht aus zwei Wirkstoffen, einem gegen Covid19 und einem Wirkverstärker, der aber nicht nur den Abbau des Wirkstoffs gegen Covid19 hemmt, sondern auch von vielen Medikamenten, darunter Immunsuppressiva, von Risikopatienten. Das kann Wechselwirkungen verursachen (siehe Wechselwirkungsrechner).

Für Ungeimpfte mit Risikofaktoren oder für hochbetagte Geimpfte ist die Therapie lebensrettend und bei guter Durchführung kein Problem. Wie auch bei monoklonalen Antikörpern ist eine frühestmögliche Gabe entscheidend!

Mehr zu Therapieoptionen bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Deutschland.

Paxlovid hilft aber wahrscheinlich auch Personen ohne Risikofaktoren, weil es die Viruslast und Dauer der Infektiösität deutlich verkürzt. Es verringert dadurch das Risiko für LongCOVID-Symptome (Ganatra et al. 2022, Xie et al. 2023, Liu et al. 2023), mildert generell die Symptome der akuten Erkrankung und verkürzt den Krankenstand. Paxlovid verringert bei älteren Menschen (Durchschnittsalter 66) das Auftreten von Thrombosen und Lungenembolien, hat sonst aber kaum Verringerung der meisten LongCOVID-Symptome zur Folge. (Ioannou et al. 2023)

Wichtig ist aber eine gute Durchführung der Therapie, sonst kann es Rückschläge geben (Josh Bloom, 11.01.23), eine frühzeitige Gabe (0-1 Tage nach ersten Symptomen oder Diagnose) reduziert die Sterblichkeit und schwere Akutverläufe signifikant verglichen mit verzögertem Therapiebeginn (2 und mehr Tage), weshalb niederschwellige Tests und rasch verfügbare Medikamente essentiell sind (Wong et al. 2023).

Risikofaktoren für Paxlovid-Einnahme gemäß FDA (USA)

  • über 65 Jahre und geimpft
  • unter 65 Jahre und ungeimpft
  • BMI 25 und höher
  • bewegungsarme Lebensweise
  • Raucher oder früherer Raucher
  • schwanger oder vor kurzem schwanger (in den letzten 6 Wochen)
  • Asthma, Krebs, HIV oder geschwächtes Immunsystem
  • chronische Nierenerkrankung (mit eGFR über 30 mL/min)
  • chronische Leber-, Lungenerkrankung, zystische Fibrose
  • Demenz, Alzheimer, Diabetes, Tuberkulose
  • Lern-, geistige und Entwicklungsbehinderungen, Rückenmarksverletzungen, Zerebrallähmung, ADHS, oder Einschränkungen im Alltag/für sich selbst zu sorgen
  • Herzerkrankungen wie Herzversagen, koronare Herzkrankheit oder Herzrhythmusstörungen
  • psychische Erkrankungen wie Depression oder Schizophrenie
  • Vergangenheit mit Schlaganfälle, Herzkreislauferkrankungen oder transitorische ischämische Attacke (TIA)
  • Sichelzellkrankheit oder Thalassämien (zu wenig rote Blutkörperchen)
  • Substanzmissbrauch bei Drogen oder Alkohol

Pfizer hat den Preis von Paxlovid von 530 Dollar auf fast 1400 Dollar erhöht. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Preissteigerung in Österreich auswirken wird, eine Alternative könnte das japanische Medikament Ensitrelvir von Shionogi sein, es hat keine Wechselwirkungen noch den unangenehmen metallischen Geschmack von Paxlovid, sollte 2024 zugelassen werden, in Japan wurde es bereits letztes jahr zugelassen.

Paxlovid wirkt virostatisch, da es die proteinlösenden Enzyme der Viren hemmt, aber auch körpereigene Proteasen.

Bei einem BMI über 30 oder Diabetes in der Familie kann man Metformin andenken (Bramante et al. 2023), es hemmt die Glukosebildung, durch den reduzierten Stoffwechsel des infizierten Gewebes reproduziert auch das Virus schlechter (Wiernsperger et al. 2022).

Sonstige Empfehlungen

Bei Halsschmerzen: Chlorhexamed, Hexoral, Tantum Verde, Salzwasser inhalieren (ohne ätherische Öle), Ibuprofen (wird über Niere abgebaut), Paracetamol (wird über Leber abgebaut)

Vorsicht bei fiebersenkenden Mitteln: Sie beeinträchtigen die Abwehrleistung, haben Nebenwirkungen und schlagen auf Leber und Niere. Bis 38,5°C muss das Fieber nicht gesenkt werden, das ist die Betriebstemperatur der Enzyme der Körperabwehr.

  • Ibuprofen: fiebersenkend, schmerzlindernd, antientzündlich (Achtung Magen, Asthma)
  • ASS: wie Ibuprofen und zusätzlich antithrombotisch
  • Paracetamol: fiebersenkend, schmerzlindernd (aber schlecht für Leber und Niere)
  • Novalgin: fiebersenkend, bei starken Schmerzen (aber: Blutbildveränderungen)

Es gibt keinen bewiesenen Nutzen von Vitamic C/D/Zink oder anderen Nahrungsergänzungsmitteln (Chen et al. 2021)

Thrombosevorbeugung sinnvoll: Medikamente nur nach Asprache mit dem Arzt!

Covid und Histaminaktivierung

Bei akuten Fällen tritt vermehrt Aktivierung von Histaminausschüttung auf. Bei LongCOVID schon bekannt, daher Therapieversuche z.B. mit Famotitin, je nach Verfügbarkeit auch mit normalen Antihistaminika (Lorano pro, Cetirizin, Ebastel). Die Gabe zweier H1-Hemmer (Vomex und z.b. Lorano) hat zu deutlichen Verbesserungen geführt (Durchfall gestoppt, Übelkeit weg samt Schwindel, Schlafstörung weg, auch anhaltend hohes Fieber gestoppt). Antihistaminika haben in der Regel wenig Nebenwirkungen (Quelle: @MusirikeUSRUSCO, Hausärztin)

Mit CPC regelmäßig gurgeln (z.B. Dontodent oder Odol med antibakterielle Mundspüllösung).

Für Darm (wenn keine Kontraindikationen): Lactoferrin, gleichzeitig mit Vitamin C (liposomal formula) einnehmen: ca. 500mg 2x tägl. für 28 Tage, dann 250mg für 2 Monate.

Was kann man sonst tun?

  • viel trinken (Wasser, Tee, Suppe) , Grüner Tee
  • Elektrolyte zuführen
  • Pulsoxymeter (über 95% ok), Atemfrequenz messen
  • wenn möglich, aufstehen und im Zimmer bewegen, mehrmals täglich zur Thrombose-Vorbeugung, aber: sich nicht anstrengen! Das gilt auch kognitiv! (nicht zu viel lesen, fernsehen)
  • Ruhen und ausreichend Schlaf sind enorm wichtig! (ggf. Melatonin)

wann zum Arzt?

  • wenn die Sauerstoffsättigung längere Zeit unter 92% fällt, bzw. um mehr als 4% nach körperlicher Anstrengung sinkt, auf Atemprobleme/Kurzatmigkeit bei geringer Belastung achten
  • bei gelb-weißlichen Belegen auf den Mandeln
  • wenn das Fieber plötzlich steigt
  • bei unzureichender Flüssigkeitsaufnahme
  • bei bekannten Vorerkrankungen frühestmöglich Absprache mit Hausarzt wegen Paxlovid, monoklonale Antikörper, alternative Medikamente

Im Krankenhaus …

  • wird ein Blutbefund angefertigt, Vitalzeichen untersucht
  • Blutverdünnung ist Standardtherapie
  • im frühen Stadium antivirale Therapie (5 Tage)
  • später antientzündliche Therapie (8.-10. Krankheitstag) mit Cortison
  • weitere Möglichkeiten: monoklonale Antikörper gegen Zytokine (Infusion), Sauerstofftherapie, Bauchlage, um Blutversorgung der Lunge zu verbessern

Nach Ende der Symptome

Nach McInerney et al. (2023) reichen bei Geimpften zwei Wochen Abstand vor elektiven Eingriffen, um Komplikationen vorzubeugen.

Die Empfehlungen unterscheiden sich vor allem in der Länge der Schonungsphase. Der Physiotherapeut und Neurobiologe Prof. David F. Putrino rät nach leichten bis mittelschwerden Symptomen zu mindestens 6 Wochen Pause, und sich auch nicht zu schnell wieder gesund für die Arbeit melden. Wer zu früh beginnt, riskiert anhaltende Lungen- und Herzprobleme und PEM (Post Exertion Malaise), die in einen chronischen LongCOVID-Verlauf übergehen kann.

Im hochrangigen British Journal of Sports Medicine veröffentlicht, raten Elliott et al. (22.06.20) bei einem Verlauf, der zu Hause auskuriert werden kann, zu 10 Tage Ruhe ab Symptombeginn und danach mindestens sieben Tage Symptomfreiheit sowie keine Medikamenten-Einnahme mehr.

Das vulnerable Fenster, sich Long COVID zuzuziehen beträgt etwa 8-14 Wochen (siehe dazu den Vortrag von Dr. Kathryn Hoffmann).

„Grundsätzlich warnen Kardiologen Genesene davor, sich nach der überstandenen Infektion zu früh zu belasten. Wer mit Covid-19 infiziert war, sollte seinem Körper nach der Genesung Zeit geben. Faustregel: Während der Infektion und noch zwei Wochen nach dem Abklingen der Symptome keine körperliche Belastung. Anschließend langsam wieder steigern. Insgesamt so lieber sechs bis acht Wochen beim Sport und bei der Arbeit kürzertreten, als möglicherweise jahrelang unter den Folgen einer nicht auskurierten Covid-19-Infektion zu leiden.“ (NDR, 26.09.23)

Auf Überlastungssymptome achten:

Auswertung der Datenspende-App des RKI – auch nach Infektion nach Impfung noch ca. 8 Wochen mit erhöhtem Ruhepuls. Solang der Puls so übermäßig ansteigt, Füße still halten!

Die Anschaffung einer Fitnessuhr bzw. Smartwatch kann helfen, Überlastungen oder Symptomveränderungen frühzeitig zu erkennen, etwa verringerte Sauerstoffsättigung oder überhöhter Puls – hier heißt es aber aufzupassen, dass man keinen Suchtcharakter entwickelt und ununterbrochen auf die Werte bzw. Abweichungen schaut.

Sport nach der Infektion bei Erwachsenen:

Aus dem Positionspapier “Return to Sport” von Nieß et al. (05/2020)
weiterhin gültige Empfehlungen (Pneumonie: Lungenentzündung, Myokarditis: Herzmuskelentzündung)
Achtung: Dieses Schaubild gilt nur, Spätfolgen vorzubeugen, die durch mangelnde Schonung ausgelöst werden können – andere Risikofaktoren für LongCOVID wie Viruspersistenz, Gefäßschäden, Immundefekte (genetische Disposition) sind darin nicht erfasst (Mai 2020!).

Die Empfehlungen richten sich an Profisportler, gelten aber generell für alle, die sich körperlich wieder betätigen wollen (Hobbysportler) oder müssen (Haushalt, Job, Kinder). Grundsätzlich sollte man bei symptomfreien Verläufen 2 Wochen auf intensive Belastung verzichten, bei symptomatischen Verlauf mindestens 2-4 Wochen. Wenn zusätzlich eine Lungenentzündung aufgetreten ist, mindestens 4 Wochen und bei Herzmuskelentzündung mindestens 3 Monate lang keine sportliche Belastung.

Im ersten Stadium (10 Tage Minimum) sind Gehen, Alltagsaktivitäten erlaubt, im zweiten Stadium (2 Tage Minimum) Gehen, leichtes Joggen, kein Widerstandstraining (Kraftraining), danach schrittweise Trainingssteigerung. Übertragen auf Hobbysport heißt das wohl, erst Gehen, dann Spazieren und leichte (kurze) Wanderungen in der Ebene, ehe man schrittweise Länge, Höhenmeter und Tempo steigert.

Bevor man schrittweise das Training oder seinen Hobbysport wieder aufnimmt, sollte man tägliche Aktivitäten und 500 Meter Strecke in der Ebene gehen überstehen, ohne danach ausgeprägte Erschöpfung (Fatique) oder Kurzatmigkeit zu empfinden. Fitness-Uhren helfen bei der Überwachung, zu hoher Puls ist ein Warnzeichen, ebenso Schlafqualität und Auftreten von Muskelkater. Sobald eine Aktivität Symptome nach sich zieht, sollte man wenigstens 24 Stunden lang symptomfrei sein, bevor man erneut beginnt.

Richtiges Verhalten bei anhaltender Erschöpfung

Bei länger anhaltender Erschöpfung muss man darauf achten, die persönlichen Belastungs- und Energiegrenzen strikt einzuhalten, um PEM zu mildern – siehe dazu diesen Vortrag von Dr. Michael Stingl, Neurologe und LongCOVID/ MECFS-Experte. Bei einem Teil der LongCOVID/MECFS-Betroffenen ist Überaktivierung schädlich – wie dieser Fall zeigt – leider sehr häufig aufgrund des Unwissens vieler Patienten und Ärzte. Die WHO warnt in ihren Richtlinien ausdrücklich vor aktivierender Reha, wenn PEM/PESE vorliegt. Viele schwer betroffene LongCOVID/MECFS-Betroffene hat die Reha in den Rollstuhl gebracht bzw. bettlägerig gemacht.

Am wichtigsten ist daher: Auf keinen Fall gegen den Körper arbeiten!

Zur Therapie von LongCOVID wird es einen separaten Menüpunkt geben, ein Allheilmittel darf man sich aber nicht erwarten.