Die Zulassung der SARS-CoV2-Impfung für 5-11jährige Kinder erfolgte am 25. November 2021 in Österreich. Die Stadt Wien hat aufgrund der hohen Delta-Welle schon zwei Wochen vorher Offlabel-Impfungen ermöglicht. Erst ein Jahr später, Mitte Oktober 2022 wurde von der EMA die Impfung mit Pfizer und Moderna auch für Kleinkinder ab 6 Monaten zugelassen.

Das Risiko für Kinder, schwer zu erkranken oder Langzeitfolgen zu entwickeln, bzw. überhaupt sich zu infizieren und übertragen zu können, wurde nie angemessen kommuniziert. Mit Stand 06. Jänner 2023 hatten gerade einmal 21% der Mädchen und Buben unter 15 Jahren die erste Impfdosis erhalten – eine dritte Impfdosis haben sogar nur 6% erhalten. Diese extrem niedrigen Impfquoten haben sich nicht verbessert. Mit Stand 17.12.2023 haben nur 0,6% unter 15 Jahren eine Auffrischimpfung mit dem angepassten XBB.1.5-Impfstoff erhalten.

Empfehlungen:

Sicherheit und Wirksamkeit

Jonathan Howard: Three New Studies Show the COVID Vaccines Are Very Safe for Children (11.06.23)

Schwangere

Kleinkinder

  • Bei Kindern unter 5 Jahren verringert mindestens zwei Wildtyp-mRNA-Dosen das Risiko für einen Besuch einer Spitalsambulanz (Tartof et al. 09/2023, ab 07/2022 bis 05/2023 – also von BA.5 bis XBB.1.5)
  • Die bivalente Impfung schützt Kleinkinder zu 80% vor Notfällen bzw. schweren Verläufen (CDC-Analyse, 20.08.23)
  • Geringere Dosis von Moderna schützt Kleinkinder trotzdem so effektiv wie bei Erwachsenen mit weniger Nebenwirkungen (Nziza et al. 2024)

Kinder und Jugendliche (5-17 Jahre)

  • Selbst einmalige Impfung reduzierte das Infektionsrisiko deutlich, wenn auch nur kurzzeitig (Molteni et al. 2022)
  • Risikoreduktion von LongCOVID (Yousaf et al. 2023)
  • Die Impfung reduziert das Risiko des Multentzündungssyndroms MISC erheblich (Levy et al. 2021, Yousaf et al. 2022)
  • Gegen Delta und Omicron verhinderten Wildtyp-Impfstoffe schwere Verläufe bei Kindern und Jugendlichen sowie in hohem Maß auch Ansteckungen, kein erhöhtes Risiko für Herzkomplikationen durch Impfung (Wu et al. 2024, Rolfs et al. 2024)
  • Hoher Schutz vor schweren akuten Verläufen bei 12-17jährigen (Zeitraum: 2021-2023, Delta bis XBB.1.5), aber ohnehin selten (Poukka et al. 2024)

allgemeine Erkenntnisse:

  • Infektion alleine „schützt“ gegen Omicron-Varianten nicht, Impfung weiterhin notwendig, um breite Immunantwort zu erzeugen (Sieber et al. 2022, Tang et al. 2022)
  • Impfung der Kinder reduziert Infektionszahlen, schwere Verläufe und Tote in der Gesamtbevölkerung (Borchering et al. 2022)

Impfskepsis und -ablehnung

Österreich war schon immer ein Land mit traditionell hoher Impfskepsis – das begann schon mit der Pockenimpfung vor über 250 Jahren. Bis heute ist Impfskepsis mit häufig mit starken religiösen und esoterischen Überzeugungen behaftet. 1948 gab es schon einmal eine Impfpflicht – gegen Pocken. Sie wurden 1980 ausgerottet. Bei der Polio-Impfung war Österreich im Westen Vorreiter, weil die klinische Testung in der damaligen UdSSR stattfand, wohin Österreich gute Beziehungen hatte. Die Impfstoffbeschaffung übernahm der Bund und es wurden durchstrukturierte Impfpläne geschaffen. Bei den unter 21jährigen stieg die Impfrate auf über 70%. Nur 1% der an Polio erkrankten Kinder entwickelten die gefürchteten Lähmungserscheinungen – trotzdem oder genau deswegen hatte die Polio-Impfung hohen Zuspruch unter den Eltern. Haben wir damals mehr Ahnung von Statistik gehabt?

Impfung ist seit jeher ein kontroversielles Thema, weil das Medikament einer gesunden Person verabreicht wird, die durch die Impfung ein, zwei Tage später noch eine Immunreaktion verspüren wird – im Gegensatz zu einem Kranken, der durch ein Medikament eine Besserung verspüren wird.

In den letzten 150 Jahren ist die Lebenserwartung deutlich gestiegen:

  • sauberes Wasser
  • ausreichende Ernährung
  • Impfungen

Jetzt ist sie das dritte Jahr infolge seit Pandemiebeginn gefallen – weil wir neben sauberem Wasser nun auch saubere Innenraumluft brauchen. Noch nie in der Geschichte der Menschheit haben wir so viel Zeit in geschlossenen Räumen verbracht wie jetzt.

Bei vielen Krankheiten sind die Durchimpfungsraten am Sinken, was vor allem an der Problematik der Schulimpfungen liegt – die offenbar panische Angst vor rechtlichen Folgen haben. Ein weiteres Problem ist Impfskepsis bei den Ärzten selbst. Eltern machen oft das, was Ärzte ihnen raten.

„Beim Keuchhusten ist das Problem, dass er bei den Erwachsenen oft nicht diagnostiziert wird, der Impfschutz maximal 85 Prozent beträgt und er auch nicht so lang anhält. Wenn die Auffrischungsimpfungen im Erwachsenenalter vernachlässigt werden, dann bleibt der Keuchhusten bei uns. In allen entwickelten Ländern ist Keuchhusten in den letzten Jahren angestiegen. Kinder sind ziemlich gut geschützt, aber die Erwachsenen weniger. Die Masern sind eine Impfskepsis-Problematik. In den USA sind sie nahezu verschwunden, aber in Europa gibt es Tausende von Fällen. Es gibt ja Leute, die sagen, die Masern muss man durchmachen für eine gesunde Entwicklung. Bitte, wer hätte gern, dass sein Kind krank wird?

Ingomar Mutz, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde, bis 2010 Vorsitzender des Impfausschusses des obersten sanitätsrates (2014)

Weitere Gründe speziell bei SARS-CoV2, zum Teil aber auch auf Influenza und andere Viruserkrankungen umlegbar:

  • keine Impfkampagne oder Anreize für weitere Impfungen (Stamm et al. 2023)
  • Kinderärzte überlastet durch viele Infektionswellen
  • viele Kinderärzte mit Steiner-Ideologie: Immunsystem trainieren durch Infektionen (Bullshit)
  • Misstrauen in die Regierung, was die Sicherheit der Impfung betrifft (Schernhammer et al. 2022)
  • Verharmlosung durch die Regierung und Berater („für gesunde Kinder ungefährliche Erkrankung“)
  • Empfehlung des Impfgremiums nur für vorerkrankte Kinder
  • Irrglaube, wiederholte Infektionen würden Impfungen ersetzen können
  • Schlechte Risikoabschätzung: Sind 1% Risiko für MISC/LongCOVID viel oder wenig?