in Überarbeitung

Ich erzähle den Pandemieverlauf aus Sicht eines Deutschen, der in Österreich lebt. Der Schwerpunkt liegt zwar auf Österreich, aber die Geschehnisse in anderen Ländern spielten mitunter eine wesentliche Rolle, wie hierzulande agiert und reagiert wurde.

Einen wesentlichen Anteil für die gute Aufarbeitung der Geschichte hat Epidemiologe Robert Zangerle, der darüber viel in seinen Seuchenkolumen geschrieben hat, anfangs gab es auch vom FALTER informative Reportagen, wenn auch von Beginn an auf den Schwedischen Weg schielend.

Lockdownphasen und Todesfälle

Lockdown-Phasen (ohne Ost-Lockdown), Inzidenz und Todesfälle aller Ursachen von 2020 bis 2023, Darstellung: Erich Neuwirth, eigene Beschriftung
  1. Lockdowns wirkten
  2. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Inzidenz und Todesfällen.
  3. Mit Einführung der Impfung und anlaufender Impfkampagne bei den älteren Personen und Risikogruppen sank die Zahl der Todesfälle deutlich ab (vgl. 2. und 3. Welle)
  4. Schwere Influenzawelle im Dezember 2022, mehr Todesfälle als durch SARS-CoV2
  5. Omicron war NICHT mild.
NummerZeitraumAnmerkung
116.03.-01.05.2020„strenger Lockdown“ (4 Gründe das Haus zu verlassen), FPÖ wollte einen viel strengeren Lockdown (13.03.20, PA)
203.-16.11.20„Lockdown light“
217.11.-6.12.strenger, aber viele Ausnahmen verglichen mit 1. Lockdown, Notbetreuung möglich in Schulen
226.12.-07.02.21viele Ausnahmen, u.a. Skitourismus, Notbetreuung möglich
301.04.-02.05.21Ost-Lockdown in NÖ,Wien, im Burgenland bis 18.4.21
415.11.-31.01.22Lockdown für Ungeimpfte (unkontrolliert, zahnlos)
422.11.-11.12.21Lockdown für alle, offene Schulen, späte FFP2-Maskenpflicht im Unterricht
Von allen Lockdowns war der erste rechtzeitig und so streng, dass die Fallzahlen deutlich sanken, alle weiteren Lockdowns berücksichtigten wirtschaftliche Interessen und ließen später die Schulen lange offen, zudem ohne Maskenpflicht in Volksschulen und erst späte FFP2-Maskenpflicht in den Oberstufen. Die Folge zu später Schließungen, zu halbherziger Maßnahmen und „get there itis“, das heißt, an einem fixem Datum öffnen statt wenn die Zahlen weit genug gesunken waren, führten zu ein einer Streckung der Infektionswellen.

Lockdownphasen im Detail

Alle Lockdown-Phasen kombiniert mit logarithmischer 7-Tages-Inzidenz

Zu allen Lockdownphasen gibt es eine eigene Geschichte:

  1. Nach Ischgl kam auf Druck der skandinavischen Länder (Charterflüge für Skitourismus) der erste Lockdown und die rigorose Abriegelung Tirols, NACHDEM man die infizierten Gäste ausreisen ließ und durch die ersten Superspreader-Cluster das Virus in ganz Europa verteilte. Die Causa Ischgl wurde eingestellt, keine Schuld nachgewiesen. Damaliger Gesundheitslandesrat Tilg: „Haben alles richtig gemacht.“
  2. Ruhiger Sommer durch Präventionsparadoxon und Wien-Wahlkampf, dadurch entgegen Ankündigungen der Wien-Kandidaten verzögert der Lockdown light, aber als Spitalsüberlastung absehbar war, ein zweiter Lockdown – mit zahlreichen Ausnahmen allerdings. Fehlgeschlagener einmaliger PCR-Massentest, um Lockdown zu verhindern. Zwischen 6.12. und 26.12. wurde der Lockdown unterbrochen, um das Weihnachtsgeschäft und Wintertourismus zu retten.
  3. Fortsetzung des Lockdowns bis Februar. Mitte Jänner 2021 kurze Überlegung, eine NoCovid-Strategie mit Zielinzidenz 50 zu fahren. Zielinzidenz wurde schrittweise angehoben, blieb aber ohne Konsequenz bei Überschreitung, weil ICU-Belegung stärker gewichtet wurde
  4. Schleppende Impfkampagne durch zu wenig eingekauften Impfstoff, Beta-Variante in Tirol, Pfizer-Impfungen vorgezogen, um Ringimpfung durchzuführen (erfolgreich). Alpha breitet sich dank Lockerungen aus, „Modellregion Vorarlberg“ lockert in Alpha-Welle hinein. Schleppend anlaufende Impfung in Wien sorgt für Überlastung der Spitäler, zudem ist Alpha ansteckender und Kinder als Vektor gewinnen an Bedeutung. Ost-Lockdown in W, NÖ, B ist die Folge für einen Monat ab Ostern. B beendet vorzeitig. Andere Bundesländer bleiben bei Ausreisetests.
  5. Impfkampagne und Ost-Lockdown sorgen für Rückgang der Zahlen. Erneut Präventionsparadoxon: „Pandemie für Geimpfte vorbei.“ Impfkampagne bleibt ab Sommer im Kanzleramt liegen. Zunehmende Skandale bei der ÖVP (Chat-Affäre). Impfrate zu gering, um Delta-Welle abzuschwächen. Schulen bleiben offen und beschleunigen Welle. Weil das obige Narrativ ausgegeben wurde, wird Lockdown für Ungeimpfte verhängt. Bleibt wirkungslos, weil Schnittmengen zwischen Impfgegnern und Pandemieleugnern groß und de facto nicht kontrollierbar ist, ob sich Ungeimpfte an Maßnahmen halten. Zudem infizierte Delta auch Geimpfte, die das Virus weitergeben konnte. Treibender Faktor aber weiterhin ungeimpfte Kinder, bei denen Impfraten dauerhaft gering bleiben. Vierter Lockdown für alle für drei Wochen. Baseline bleibt danach hoch, aber erneut sind das Weihnachtsgeschäft und der Wintertourismus wichtiger. Späte FFP2-Maskenpflicht in Schulen, weil über Schüler schneller Herdenimmunität erreicht werden sollte.
  6. Mit Omicron schrittweise Aufhebung aller Maßnahmen, ab April 2022 zudem Beschränkung des freien Testzugangs, Inzidenzen nurmehr vom Trend aussagekräftig, ab August Einstellung des Contact Tracings
  7. 2023 schrittweise Abschaffung PCR-Tests, Maskenpflicht im Gesundheitwesen, Abschaffung der Meldepflicht für SARS-CoV2 ab Juli 2023

Lockdownphasen und Wahlen

Lockdownphasen und Wahltermine in Österreich (Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen nicht berücksichtigt), der zweite und vierte Lockdown kam wegen den vorausgehenden Wahlen zu spät. Neue verschärfende Maßnahmen wurden in den Herbst- und Winterwellen 2022/2023 wegen weiterer Landtagswahlen nicht mehr gesetzt.
  • Der zweite Lockdown kam zu spät, weil in Wien gewählt wurde und keiner Wählerstimmen verprellen wollte, indem man sich für einen weiteren Lockdown ausgesprochen hätte. Nur Ex-Grüne Birgit Hebein schloss diesen nicht aus. Die SPÖ entschied sich gegen Fortsetzung mit Grünen, aber mit Neos und Hebein wurden von den Grünen rausgemobbt.
  • Der dritte Lockdown kam zu spät, weil Ludwig gemeinsam mit Kanzler „ins Risiko gehen wollte“, Antigentests statt Lockdowns, gegen Alpha zu wenig
  • Der vierte Lockdown kam zu spät, weil die ÖVP sich für die Pandemie nicht mehr interessierte, weil man dachte, die Impfung würde die Pandemie beenden, weil man Kontaktbeschränkungen an Intensivbettenbelegungen koppelte, und Schutzmaßnahmen in Schulen an Intensivbettenbelegungen, aber die Kausalkette ging anders herum: Schulkinder infizierten ungeimpfte Ältere, die die Spitäler füllten. Man hätte also Schulen sicherer machen müssen, und weil in Oberösterreich Landtagswahlen stattfanden und die Impfgegnerpartei MFG den Regierungsparteien Stimmen wegzunehmen drohte
  • Die BA.1/BA.2-Welle wurde vollkommen ignoriert und gebetsmühlenartig vom „wir müssen uns auf den Herbst vorbereiten“ geredet. Auch die starke Sommerwelle BA.5 wurde ignoriert, bzw. sogar positiv gesehen, weil sie eine Herbstwelle hätte abschwächen sollen.
  • Im Herbst 2022 waren in Tirol Landtagswahlen und kurz darauf Bundespräsidentwahl – gleiche Begründung: MFG und FPÖ-„Denkzettelwahl“ – angekündigte Maskenpflicht nach Wahl kam dann nicht mehr
  • Rund um die XBB.1.5-Welle im Spätwinter 2022/2023 weitere Landtagswahlen und deutliche Gewinne für FPÖ
  • Mit Abschaffung aller Voraussetzungen für Maßnahmen (Variantenmanagementplan nach eigenem Gunsten ausgelegt) und beginnendem Vorwahlkampf für Nationalratswahl 2024 keine weiteren Maßnahmen, „Versöhnungsprozess“ nach afrikanischem Apartheid-Vorbild, um die Regierung frei von Schuld zu sprechen und das Thema endgültig abzuschließen.

Fehlentscheidungen bei der Umsetzung von Maßnahmen

(kein Anspruch auf Vollständigkeit)

i) Risikokommunikation

  • Strafen und Drohungen statt Aufklärung („Gefährder“)
  • Fixe Enddaten statt Orientierung an Zielgrößen („Get-there-itis“)
  • Einschränkungen in der Freizeit, aber nicht am Arbeitsplatz
  • Tourimus und Handel zuerst, Maßnahmen in Schulen zuletzt
  • Migranten als Systemerhalter, aber auch als Sündenböcke für steigende Zahlen
  • kein Bezug zu internationalen Entwicklungen und Studienerkenntnisen („alle überrascht von inländischen Entwicklungen“)
  • Kopplung von individuellen Schutzmaßnahmen an Spitalskapazitäten

ii) Übertragungswege

Veralteter Kenntnisstand der WHO/ECDC/AGES: Überbetonung von Schmierinfektion („Händewaschen als wichtigste Maßnahme“) und Tröpfcheninfekton („1-2m Abstand halten“)

  • Parteitaktische Manöver: Bundesgärten geschlossen, städtische Parks offen
  • Outdoor-Aktivitäten kriminalisiert („alleine auf einer Parkbank“), Kinderspielplätze und Sportplätze gesperrt, Kindergärten und Schulen später offen (Indoor), Gasthäuser geschlossen, Après-Ski offen
  • Face Shields und Plexiglas aufgrund Tröpfchen-Doktrin, lange behalten trotz anderslautender Studien („bequemer als Masken“)
  • falsche Dichotomie: OP-Masken zum Fremdschutz, FFP2 zum Eigenschutz
  • Zum Sprechen und im Sitzen Maske abnehmen (Pressekonferenzen, später auch Interviews)
  • im weiteren Verlauf der Pandemie Verweigerung von Luftfiltern und CO2-Messungen mt schwachen Rechtfertigungen
  • Altersbedingte Ausnahmen beim Maske tragen (Kinder nein oder nur Stoffmasken), ausgerechnet Schwangere ausnehmen, die besonders gefährdet sind (nur sinnvoll, wenn alle anderen Maske tragen)

iii) Infektion und Krankheitsschwere

  • milde versus schwere Verläufe, medizinische Definition vs. empfundene Krankheitsschwere
  • LongCOVID verschwiegen oder als Einzelfälle banalisiert
  • Trennung in akute und post-akute Verläufe nie ausreichen kommuniziert, viele Spätfolgen werden weder von Betroffenen noch von Ärzten mit vorhergehender Infektion in Verbindung gebracht
  • mangelnde Betonung sich zu schonen, nicht vergleichbar mit Schnupfen, auch wenn akute Symptome harmlos bleiben

iv) Risiken innerhalb der Bevölkerung

  • irreführende Darstellung, wer zu Risikogruppen gehört: „Vulnerable“ leben nicht nur im Alten- und Pflegeheim oder gehen ins Spital
  • „Schüler sind keine vulnerable Gruppe“ (Gartlehner)
  • Verharmlosung der Risiken für Schwangere
  • generelle Verharmlosung für Gesunde durch LongCOVID
  • tatsachenbezogene Sujets bei Impfkampagnen von Bevölkerung negativ aufgenommen, weil nie thematisiert wurde, dass Kinder durch die wiederholten Infektionswellen zu Halb/Vollwaisen wurden (siehe Plakate der SPÖ in Oberösterreich, die zum Rücktritt zweier Führungsspitzen führten)

v) Impfung

  • mangelnde Erklärung, wovor die Impfung schützen soll (Hospitalisierung/Tod)
  • mangelnde Aufklärung zum Verhalten nach der Impfung („halligalli“ fördert Durchbruchsinfektionen)
  • geschlechtertypische Nebenwirkungen heruntergespielt, zu wenig Aufklärung, dass Impfung nicht unfruchtbar macht oder Impfschäden fürs Kind
  • mangelnde Kommunikation, dass Impfschutz nicht dauerhaft anhält, sondern aufgefrischt werden muss
  • Suggerieren, dass junge gesunde Menschen nicht impfen müssen (LongCOVID-Risiko reduzieren wäre Impfanreiz gewesen)
  • mangelnde Kommunikation, welche (angepassten) Impfstoffe es gibt
  • Verzögerungen bei Impfstofflieferung, zu wenig Impftermine
  • Behauptung, dass Pandemie mit Impfung vorbei sein würde, Impfung kein Ersatz für Tests und Masken tragen
  • Impfpflicht wäre bei Delta sinnvoll gewesen, bei Omicron zumindest für Personen, die ständig exponiert sind (Gesundheit- und Bildungswesen)

vi) Virusentwicklung

  • weitgehendes Ignorieren, dass neue Virusvarianten die Wirksamkeit der Impfung herabsetzen (v.a. Schutz gegen Ansteckung und symptomatische Verläuf)
  • Virus wird nicht harmloser mit der Zeit, sondern Bevölkerungsimmunität steigt, aber: individuelle Immunität kann stark abweichen (ungeimpft, Kleinkinder, Immunschwäche, Alter)
  • Virus nicht vergleichbar mit Influenza oder gewöhnlichen Coronaviren, eher mit SARS-1
  • keine Saisonalität, sondern Wellen getrieben von waning und escape-Varianten, Saisonalität hat nur indirekt mit Kälte zu sein, sondern mit vermehrtem Indoor-Aufenthalt bei schlechter Luftqualität (beeinflussbar!)
  • neue Mutationen entstehen v.a. in chronisch immungeschwächten Patienten, die monatelang positiv bleiben (-> „Schutz vulnerabler Personen“ funktioniert nicht)

vii) Diagnostik

  • irreführende Aussagekraft der Schnelltests als „Eintrittstest“, dabei sind nur AG+ aussagekäftig, AG- kein Ausschluss einer Infektion, sondern nur Infektiösität
  • keine klare Kommunikation, wie man Tests korrekt abnimmt und wo (Rachen statt Nase)
  • parteitaktisches Ausspielen der Schnelltests gegen die PCR-Gurgelaktion in Wien (tatsächlich: beides sinnvoll)
  • irreführende Kommunikation, dass negative Testergebnisse äquivalent sind zu „geimpft“ und keine Maske notwendig sein würde
  • einzelne Tests wenig aussagekräftig (nur konsekutiv 2-3 Tests)
  • Kinder vom Testen ausnehmen bei Gasthausbesuchen oder sonstigen Settings

viii) Überträger

  • Kinder: Rolle heruntergespielt, internationale Studien ignoriert
  • Dauer Isolation: ignoriert, dass 20-25% auch nach 5 tagen noch infektiös sind, Arbeiten bei hohem Ct-Wert
  • Übertragungsorte: Kindergärten, Schulen, Gasthäuser, crowded places generell, Wartezimmer und Behandlungsräume – mangelnde Kommunikation, egal ab „Pandemieende“
  • Geimpfte ab Delta-Welle zunehmend Überträger, ab erste Omicron-Varianten auch durch hohes Reinfektionspotential, Lockdown nur für Ungeimpfte sinnfrei
  • Prä/asymptomatische: „Maske tragen nur bei Symptomen“ (als Strafe konnotiert oder Freiheitsbeschränkung)

ix) soziale Maßnahmen

  • kein erhöhter Kündigungsschutz im Krankenstand
  • keine Gefahrenzulage für „Systemerhalter“ oder Gratis-FFP2-Masken
  • keine finanziellen Mittel oder technischen Hilfen wie Laptop/Tablets für Homeschooling/Distance Learning, was überproportional Migranten und Alleinerziehende betraf
  • keine nachhaltigen Lösungen im Bildungsbereich: Luftreiniger, kleinere Klassen, große Veranstaltungen auf warme Jahreszeit verlegen, Leistungsdruck veringern, dass SuS nicht krank in Unterricht kommen müssen, Pflegefreistellungstage erhöhen, damit kranke Kinder betreut werden können
  • niederschwelliges Testangebot aufrecht erhalten, damit besonders Gefährdete besser geschützt werden/rechtzeitig an Medikamente kommen
  • völlige Isolation von Alten/Schwerkranken unnötig, wenn FFP2-Maskenpflicht und saubere Innenraumluft durchgesetzt werden
  • in Schulen klassenweise Distance Learning weiterhin sinnvoll, um Ausbreitung zu stoppen, statt falsche Dichotomie „Schulen auf/zu“

x) Information und Desinformation

  • anfangs gut: mehrsprachige Angebote in Wien
  • sonst zu wenig zielgruppenorientierte Aufklärung/Angebote (Problem: wegen Kompetenzwirrwarr keine Datenverknüpfung möglich, z.B. Berufsgruppen mit erhöhtem Infektions/Erkrankungsrisiko)
  • keine Daten auf Gemeinde/Bezirksebene zu Infektionszahlen, Eltern nicht immer informiert bei neuen Fällen in Kindergärten/Schulen, seit Juli 2023 keine C+Todesfälle mehr
  • Impfkampagne im Sommer 2021 im Kanzleramt liegen geblieben, keine Impfkampagne für Kinder, keine Impfkampagne mehr ab Herbst 2023/2024
  • falsche Narrative: „Pandemie für Geimpfte vorbei“, „Vorbereitung auf den Herbst 2022“ inmitten der starken Frühlings/Sommerwelle 2022, „Hybridimmunität“ als Anreiz, sich mehrfach zu infizieren, Blaupause „Omicron ist harmlos“ mit BA.2/BA.5 als Rechtfertigung, keine erneute Maskenpflicht im Herbst 2022 einzuführen bzw. alle Maßnahmen 2023 aufzuheben,
  • Desinformation: steigende Suizidzahlen durch Lockdowns (widerlegt, siehe Statistik Austria), uneinholbare Bildungsverluste (widerlegt, siehe Pisa), freie Betten (widerlegt: Covid-Betten gehen zulasten von Nichtcovidbetten), „Haushaltscluster“ (widerlegt: Quelle Schule und Folgeansteckung im Haushalt zählen als Ansteckung im Haushalt), falsch angegebene Sensitivität der AG in Volksschulen, die im Jänner 2021 eingeführt wurden, „mangelnder Bedarf an LC-Ambulanzen“ (widerlegt: massive Überlastung)
  • Reframing: „Erkältungskrankheit/Atemwegsinfekt“ (multisystemische Erkrankung!), „Schulschließungen waren ein Fehler“, „weitere Lockdowns wären nicht notwendig gewesen“, „zu wissenschaftshörig“, „andere Interessen zu wenig berücksichtigt“, „Gräben verursacht“, „Versöhnungsprozess“

Was ist gut gelaufen?

  • telefonische Krankmeldung
  • Home-Office erleichtert
  • Risikogruppen-Verordnung (Freistellung, aber: keine Perspektive für danach)
  • Gratis-PCR-Angebote, gratis AG-Angebote
  • (kurzzeitig): Gratis-FFP2-Masken an Haushalte abgegeben
  • FFP2-Maskenpflicht im Unterricht (Oberstufen), Luftreiniger in manchen Gemeinden
  • „schau auf dich, schau auf mich“-Kampagne zu Beginn
  • Impf- und Teststraßen (niederschwelliger Zugang)

2 Wochen ZeroCovid-Strategie in Österreich

Am 17. Jänner 2021 sah es kurzzeitig nach einer Kehrtwende der Pandemiestrategie aus:

Am Samstag um 8.30 Uhr trifft sich eine Expertenrunde im Kanzleramt, der Mathematiker und Coronadaten-Guru Erich Neuwirth ist zugeschaltet. Nach einer Stunde sind sich alle einig: Lockerungen wären lebensgefährlich. Um 9.30 Uhr treten Herwig Ostermann vom Forschungsinstitut Gesundheit Österreich, Oswald Wagner von der MedUni Wien und der Virologe Andreas Bergthaler von der Akademie der Wissenschaften vor die Presse. Erstmals ist davon die Rede, dass die Inzidenz „deutlich unter 50“ gesenkt werden müsse.“ (Christian Nusser 2021

Bei der anschließenden Pressekonferenz wurde verkündet, dass man bis 8. Februar 2021 eine Inzidenz von 50 annähernd erreichen wollte, bevor geöffnet wird. Zu diesem Zeitpunkt lag die Inzidenz bei 130.

Am 1. Februar wurden erste Öffnungsschritte verkündet, mit der gleichzeitigen Warnung, dass „ab einer Inzidenz von 200 eine massive Alarmstimmung gegeben sei“, bei einem 7-Tages-Wert von 200 in einem Bundesland würden die Alarmglocken schrillen. Am 8. Februar wurde dann bei einer Inzidenz von 104 geöffnet. Am 26. Februar behauptete Gesundheitsminister Anschober im Ö1-Mittagsjournal, dass Österreich noch „ein gehöriges Stück weit weg“ von einer Inzidenz von 200 sein würde. Am 01. März wurden weitere Lockerungen angekündigt. Der Schwellenwert lag in den Bundesländern jetzt bei 400. Am 3. März wurde bundesweit eine 7-Tages-Inzidenz von 169 erreicht. Die Zielinzidenzen wurden dem Erwartungsdruck der Wirtschaft angepasst (PLURV: „Torpfosten verschieben“)

Zero Covid war entsprechend nach kurzer Zeit wieder Geschichte. Nicht, weil es epidemiologisch nicht machbar gewesen wäre, sondern weil sich die Bundesregierung dem Druck aus der Wirtschaft, den größten Geldgebern, und der Länder gebeugt haben. Vorausschauendes Denken findet man leider selten bei Machtmenschen.

2020: Flatten the curve

2021: Vaccine only (Impfung, 3G)

2022: BA.1/BA.2 als Blaupause für Bestes Szenario im VMP.

2023: XBB.1.5 als Blaupause für Ende Meldepflicht

2024: „Nach Corona“ (JN.1-Welle mit hoher Übersterblichkeit im Dezember 2023, schwere Influenza/RSV-Welle, Masernspitzenreiter)

Die einzige durchgehende Chronologie der Pandemieentwicklung in Österreich (und im Ausland) gibt es weiterhin auf Coronawissen – Sektion Schwedischer Weg.