Stand 31.01.24

Ich schrieb die erste Fassung vor einem Jahr, als die Infektionswellen hoch waren, während gleichzeitig Schutzmaßnahmen abgebaut wurden. Bis vor zwei Jahren hieß es noch „wir sollen mit SARS-CoV2 leben lernen“. Inzwischen befinden wir uns laut Bundesregierung „nach Corona“ – paradox, nicht?

Es lohnt sich weiterhin, Ansteckungen so lange wie möglich zu vermeiden, bis …

  • man die jährliche oder halbjährliche Auffrischimpfung erhalten hat
  • Paxlovid verfügbar ist oder neue antivirale Medikamente auf den Markt kommen
  • neue Impfstoffe auf den Markt kommen, die effektiver vor Ansteckung und Spätfolgen schützen
  • man eine akute Erkrankung oder Unfallfolgen überstanden hat, weil eine weitere Infektion den Genesungsprozess verzögern kann

Für alte und chronisch immungeschwächte Menschen bzw. jenen mit hohen Risikofaktoren für schweren Verläufen gibt es diese Wahl nicht. Auch bereits von Long COVID oder MECFS betroffene Personen sollten sich nicht erneut anstecken. Das gilt aber besonders auch für deren pflegenden Angehörige und deren Familienmitglieder. So wird es aber schnell extrem schwierig, Infektionsquellen wie Schulunterricht oder Arzt- und Spitalsbesuch zu eliminieren.

Kompromiss: Risikoreduktion

Das Virus verhandelt nicht, das ist völlig klar. Es gibt aber keinen 100% Schutz vor Infektion. In der jetzigen postakuten Pandemiephase versuche ich zu überleben, indem ich offensichtliche Risiken meide. Allerdings führe ich mein CO2-Messgerät nicht zum Spaß spazieren, sondern versuche, Risiken für Fernübertragung ausfindig zu machen – und mich danach zu richten.

Als es noch Gratis-Tests, Maskenpflicht und Isolationspflicht gegeben hat, war es viel leichter, selbst kleinste Risiken weiter zu minimieren. Jetzt geht das nicht mehr so leicht, und das fängt schon mit so etwas Banalem an, dass viele Lokale kein Take-Away mehr anbieten – vielfach herrscht aufgrund des Personalmangels zudem Selbstbedienung etwa auf Hütten und man muss in die stickige, schlecht belüftete Hütte gehen, um sich sein Essen für draußen zu holen. Es erfordert eine gewisse mentale Stabilität die Blicke der anderen auszuhalten, wenn man mit der Maske hinein geht. Ich kann verstehen, wenn man das nicht aushält und nehme es niemandem krumm, der es aus diesem Grund nicht macht, obwohl er es für sinnvoll hielte.

Die folgende Herangehensweise wird jetzt nicht jedem taugen, aber das ist, wofür ich aus wissenschaftlicher Sicht für mich vertreten kann, und zugleich auch aus sozialer Sicht. Als Autist bin ich soziale Isolation gewohnt. Bisher blieb ich infektionsfrei. Ich bin nicht durchgehend streng, aber eben auch nicht völlig unbekümmert. Das macht mich angreifbar aus jeder Richtung, aber letztendlich muss und kann ich es auch für mich entscheiden, solange ich mir danach noch in den Spiegel schauen kann und niemanden wissentlich gefährdet habe (Merrell et al. 2024).

Grundlagen

Bei hohen Abwasserwerten bin ich jeweils strenger als bei niedrigen Werten. Volle Lokale bleiben für mich vorerst No-Go’s mangels Vertrauen in Vernunft und Rücksichtnahme (= krank zuhause bleiben).

asymptomatische Übertragung sind seltener geworden (Frediani et al. 2023): Ich kann nicht verlangen, sich symptomfrei zu testen, und es ist fraglich, wie gut Schnelltests eine beginnende Infektion noch detektieren, wenn sie selbst bei Symptomen erst am dritten, vierten oder fünften Tag anspringen

Das Aranet4 ist immer mit dabei. Luftqualität abschätzen gehört bei mir zum Standard, nach dem ich mich dann richte.

Restaurant- und Hüttenbesuche

Auf einer Berghütte, die nur durch mehrere Stunden Fußmarsch erreichbar ist, sollten sich weniger kranke Personen aufhalten als in einem Innenstadtlokal oder leicht erreichbarer Hütte,

Hüttenübernachtung im Lager kann ich mir nicht mehr vorstellen, nur noch im Zimmer. Lager alleine ja, aber das kann man nicht planen. Auch unter Woche kommen gerne mal größere Gruppen. Auf Hütten gibt es de facto keine Lüftung.

In einem gut belüfteten Raum (mein Aranet4 ist immer dabei) mit wenig Personen gehe ich auch indoor essen – speziell, wenn darin keiner oder fast keiner Symptome hat (hustet) – z.B. Kantine, wo ich lieber zu den Randzeiten gehe.

Wann immer möglich, setze ich mich ins Freie. Offenes Fenster im Lokal ist auch eine Möglichkeit.

Öffentliche Verkehrsmittel

Fernzüge meide ich weiterhin, aber wenn sitze ich am ehesten im Speisewagen, weil dort weniger Passagiere hineinpassen als in einen Großraumwagen und die Lüftung meistens besser ist wegen der Küche. Reservierte Sitzplätze neben oder hinter symptomatischen Fahrgästen sind unvorteilhaft.

In Öffis trage ich weiterhin Maske, außer es sind gering frequentierte Züge/Busse und die Luftqualität (CO2-Werte) ist gut. Tendenziell aber eher Maske als weniger. In Wien stellt sich die Frage nicht: Ausnahmslos Maske.

Gesundheitswesen

Ausnahmslos FFP3-Maske bei allen Anlässen.

Handel

Was ich bestellen kann, bestelle ich online. Sonst mach ich es davon abhängig, wie groß die Verkaufsfläche ist und wie viel los ist. In einem fast leeren Baumarkt mit gutem Durchzug (meist durch Außenbereich) und in einem fast leeren Sportgeschäft ist das Infektionsrisiko gering. Kritisch sind immer längere Aufenthalte an den Kassen. Außer Frage steht es, wenn ich höre, dass jemand Symptome hat.

Büro

Im Großraumbüro gibt es eine Quell-Lüftung (vertical displacement ventilation), und konstant CO2-Werte unter 600ppm. Es hat sich noch niemand nachweislich angesteckt. Dort trage ich Maske nur bei den Übergaben beim engen Zusammenstehen, wenn Besuchergruppen kommen und wenn jemand Symptome aufweist und ich länger eng beisammenstehe.

Für die Umbauphase unseres Büros habe ich zwei Trotec-Luftreiniger organisiert, weil der Ersatzraum keine Lüftungsanlage hat und die Zufuhr von Frischluft über die Fenster unzureichend ist. Möglicherweise werde ich hier in Kombination mit steigenden Inzidenzen häufiger Maske tragen (müssen). Dafür ist es dort wesentlich leichter (da kürzer), nach draußen zu gehen und dort zu essen oder trinken.

Schutzmaßnahmen

Der beste Schutz ist die Maske, der zweitbeste die Impfung und den besten antiviralen Effekt hat Paxlovid.

Ich benutze die FFP3 von Rysam – nicht, weil das Upgrade von FFP2 unbedingt notwendig ist, sondern weil sie am besten auf meine Gesichtsform passen. Ich wechsel dann, sobald das Kopfband ausgeleiert ist, die Maske schmutzig wurde oder ich spüre, dass sie undicht wird. Ich hab immer genug Ersatzmasken im Rucksack dabei.

Hauptübertragungsweg sind Aerosole – also die Luft, die aus und eingeatmet wird.

Von übertriebener Desinfektion halte ich nichts. Übertrieben: Jede Türschnalle als Übertragungsort betrachten, Verpackungen desinfizieren, komplette Desinfektionsdusche des Körpers nach jedem Aufenthalt außerhalb der Wohnung – mehr zur Desinfektion in einem separaten Blogartikel

PCR-Gurgeltests (z.B. Trinicum Diagnostics) mache ich nurmehr bei Verdacht auf Ansteckung (Exposition oder Symptome), was aber kaum vorkommt – wenn es zeitlich hineinpasst auch vor Besuchen von Personen mit Risikofaktoren. Wenn ich aber davor den ganzen Tag arbeiten muss, kann ich nicht testen gehen. Schnelltests habe ich jede Menge zuhause, um bei Symptomen selbst zu testen, bevor ich einen Arzt aufsuche.

Normale Handhygiene ist völlig ausreichend, hat aber nichts mit SARS-CoV2 zu tun, sondern beugt Magendarmgschnas vor.

Nasensprays und Mundspülungen setze ich nurmehr sehr sparsam ein. Der Nutzen ist für mich nicht bewiesen. Man sollte sich nicht darauf verlassen. Die Hersteller verdienen gut an diesen Produkten, die Studien sind aber oft von ihnen selbst finanziert.

Bei den Impfungen bin ich weiter auf dem Standpunkt, lieber öfter geimpft als einmal zu viel infiziert – und gehe weiter alle 6-7 Monate impfen, weil die variantenspezifische Immunität zu schnell nachlässt.

Luftreiniger in Innenräumen sind eine wichtige Käsescheibe, wenn sie groß genug sind für die jeweilige Raumgröße.

Den beliebten ToGo-Luftreiniger setze ich nurmehr selten ein, er muss de facto unters Kinn gehalten werden, damit man gefilterte Luft einatmet. Außer im Auto oder ähnlichen sehr kleinen Räumen, da könnte der Luftumsatz ausreichen. Im Auto bietet sich allerdings regelmäßig Lüften an, was bei Unterdruck sehr effektiv ist. Vom „Luftzug“ kriegt man keine Infektion, sondern wenn einer der Insassen infektiös ist.

Statistik

  • Wie viele derer, die gerade Symptome haben, sind mit Corona infiziert? Denn andere Infektionskrankheiten sind meist deutlich weniger ansteckend.
  • Nur 10-20% aller Infizierten sind ansteckend (superspreader), der Großteil hustet und schnieft, ist aber nicht ansteckend – außer man ist im engen Kontakt
  • Ist der mit Husten oder Schnupfen am Anfang seiner Infektion oder klingt sie ab und die Person ist nicht mehr infektiös?
  • Selbst wenn sie Symptome hat, wissen wir bei Geimpften, dass die Viruslast oft erst verzögert ansteigt (Antigentest oft negativ am Anfang). Viruslast und Symptome sind zudem unabhängig voneinander.
  • War die potentielle Exposition im Freien? Hab ich Maske getragen? Das Alter der Maske spielt weniger eine Rolle als der Dichtsitz und ob sie trocken oder feucht war.
  • Wie lange war ich exponiert? Wenige Minuten oder über längere Zeit?

Es braucht immer etwas Glück. 100%-Schutz gibt es nicht. Aber: Mit einer Maske, selbst nicht perfekt sitzend, hat man einen zuverlässigeren Schutz als ohne Maske. Masken bieten einen hohen individuellen Schutz.

Gesundheitswesen

ausnahmslos FFP2 oder FFP3, da die Luftqualität nicht zwingend gut ist in Wartezimmern oder Behandlungsräumen, und weil man engen Kontakt zu Ärzten und Assistenten haben kann.

Therapeutische Sitzungen

CO2-Messungen in einem Altbau-Zimmer ohne Lüftungsanlage, mit Fenstern, während zweier Arztgespräche (jeweils 1 Stunde). Im linken Fall blieb das Fenster die ganze Zeit über offen und die CO2-Werte blieben durchwegs unter 700ppm (die Spitze war im Stiegenhaus), im rechten Fall wurde die Methode Stoßlüften mit zwei Fenstern angewendet. Infolge Straßen- und Baulärm war ein dauerhaftes Offenlassen der Fenster nicht möglich. Der Therapeutin hat reagiert: Er schaffte sich ein CO2-Messgerät an und stellte einen hochwertigen Dyson-Luftreiniger auf.
Messungen in einer Diagnoseklinik (MRT/Röntgen/Ultraschall-Untersuchungen), großer Warteraum mit voller Belegung, wartende Patienten am Gang, Eingangstür geschlossen

In Arzt- und Laborsituationen gibt es idealerweise geöffnete Fenster, fest installierte Luftfilter oder Luftreiniger und weiterhin FFP2-Maskenpflicht. Denn die Luftqualität lässt gerade bei voll belegten Wartezimmern oft zu wünschen übrig. Auch in Spitälern variiert die Luftqualität stark. In einem Zweibettzimmer habe ich Mitte 2022 schon Werte deutlich über 2000ppm gemessen. Die Fenster blieben geschlossen, es war viel zu warm.

Zahnarzt

Für die Nahübertragung ist das Risiko gering, wenn man nur wenigen Leuten gegenüber exponiert ist. Das Risiko einer Infektion ist wahrscheinlich niedrig.

Beim Zahnarzt bleibt man längere Zeit ohne Maske. Es gibt Möglichkeiten, das Infektionsrisiko zu verringern. Es ist zudem wichtig, das Risiko einzuschätzen. Bevor man sich einen Termin ausmacht, stellt man folgende Fragen:

  • habt ihr in jedem Raum HEPA-Filter?
  • Sind die Räume voneinander abgetrennt?
  • Wisst ihr über Frischluftzufuhr Bescheid?
  • tragt ihr Masken?
  • wie viel Zeit vergeht zwischen den Patienten?

Beim Termin CO2-Messgerät mitnehmen und überprüfen, ob man die Belüftungsanlage hört oderdas Thermostat checken, ob sie „an“ sind und nicht auf „auto“. Wenn sie auf „auto“ sind, lass ich sie das wissen. Wenn ich mehr als 800ppm CO2 messe, komm ich nicht wieder.

Normalerweise trägt das Personal immer Masken. Ich würde FFP2-Masken bevorzugen, aber manchmal tragen sie auch nur OP-Masken. Leerlaufzeit zwischen den Patienten ist gut. Bei guten Luftfiltern braucht es nicht lange, da die Räume klein sind.

FFP2 tragen, bis man den Behandlungsraum betritt. Es gibt zwei Übertragungsrisiken: gemeinsame Atemluft/Nahübertragung, wenn der Hygieniker, Assistent/Arzt mit Dir arbeitet, sowie Ferndistanzübertragung von anderen Räumen.

Selbst unmaskiert ist das Risiko von Aerosol-Übertragung aus anderen Räumen gering, wegen …

  • HEPA-Filtern
  • Barrieren zwischen den Räumen
  • keine Umgebung, wo unmaskierte Personen viel reden
  • andere unmaskierte Patienten sitzen oft ruhig da
Hier steht der gelbe Balken für Aerosolproduktion durch Atmung. Pink ist sprechen und blau singen. Das Übertragungsrisiko einer infizierten Person, die nur atmet, ist allgemein gering. (Alsved et al. 2022)

Sozialer Druck