Fakten zu Corona

Daten, Fakten, Aufklärung

Internationaler MECFS-Tag: Hoffnung, aber auch heiße Luft

In so einer lebensbedrohlichen Situation, wo sich alles auf das eigene Überleben verengt, hast du null Verständnis für alles, was außerhalb stattfindet. Trotzdem kann ich die Maßnahmenplanung nicht ausschließlich daran ausrichten, was für die am meisten gefährdete Gruppe gerade notwendig ist. Ich bin schon jemand, der darauf schaut, auch Vorsicht walten zu lassen. Aber Gesundheit in meiner Welt ist nicht nur die Abwesenheit von Covid.”

Gesundheitsminister Rauch im standard, 10. märz 2022

Im Gegensatz zu den letzten Jahren findet nun auch über die österreichische Presseagentur (APA), in den ORF-Journalen, in den ORF-Nachrichten sowie auch in den Regionalzeitungen Berichterstattung zu MECFS und Long COVID in umfangreichen Ausmaß und vor allem regelmäßig statt. Das lässt gewisse Hoffnungsschimmer erkennen, dass es vielleicht in näherer Zukunft einmal zu einem Umdenken kommt. Heute am Internationalen MECFS-Tag gab es eine große Demonstration am Heldenplatz in Wien. Betroffene, Patientenvereine und Spezialisten für diese schwere neuroimmunologische Erkrankung fordern Taten statt nur Gerede.

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FLiRT-Varianten können eine (kleinere) Frühlingswelle verursachen

Wachstumsvorteile der FLiRT-Varianten relativ zu JN.1 (Quelle), Stand: 17.04.24 – KP.3 ist in der Größenordnung von JN.1 verglichen mit EG.5.1 (siehe unten), mehrere Varianten bleiben dicht auf den Fersen

Vorab – dass die mutmaßliche nächste Welle verhältnismäßig kleiner ausfallen dürfte als die JN.1-Welle sieht auch Eric Topol so in seinem letzten Substack-Beitrag.

In der obigen Abbildung sieht man die Wachstumsvorteile relativ zu JN.1 von den zahlreichen Untervarianten, die aus JN.1 entstanden sind. An der Spitze liegen die sogenannten FLiRT-Varianten (F456L– und R346T-Mutationen im Spike-Protein). Von diesen führt derzeit KP.3 (zusätzlich die Mutation Q493E, welche die Rezeptorbindung erhöhen soll), gefolgt von KP.2 (zusätzlich die Mutation V1104L, deutlich weniger ACE2-Bindung als JN.1). Ihr Anteil ist mittlerweile auch im österreichischen Abwassermonitoring nachweisbar, wenn auch auf niedrigem Niveau.

Wie sind wir beim Buchstaben K gelandet für neue Varianten?

Kurze Rekapitulation, was in den letzten Jahren so gewesen ist:

Handskizze über die letzten Pandemiejahre und dominierende Varianten, sehr sehr grobe skizzenhafte Darstellung, gültig für Österreich

Meine einfache Paint-Skizze soll anzeigen, dass jedes Pandemiejahr mit signifikanten Änderungen zum Vorjahr aufwarten kann. Im ersten Jahr dominierte der Wildtyp (an Weihnachten 2020 in UK streng genommen bereits Alpha) und löste zwei Wellen aus. Im zweiten Jahr dominierten Alpha und Delta, durchaus ähnlicher zweigipfliger Höhepunkt. Voreilige Zungen sprachen bereits von einem saisonalen Verlauf. Im dritten Jahr stellten die Omicron-Varianten alles auf den Kopf, in Erinnerung dürfte auch die Sommerwelle mit BA.5 sein. 2023 erinnerte dann wieder mehr den ersten beiden Pandemiejahren, aber XBB.1.5-Welle war früher (ich bin ein lausiger Zeichner), die JN.1-Welle später und dafür deutlich höher. 2024 lohnt noch keine eigene Grafik, weil wir seit dem Rückgang von JN.1 keine neue Welle mehr hatten. Nach J kommt jedenfalls K und daher haben wir jetzt K-Varianten.

Völlig planlos gehen wir jetzt aber nicht in die nächsten Wochen, denn letzte Woche sind gleich zwei Preprints zu den FLiRT-Varianten erschienen (Kaku et al. 2024, Jian et al. 2024), die keine Überraschung zeigen, wenn man sich den Verlauf der Pandemie vor Augen führt:

  • wer sich noch mit XBB-Varianten (2023) oder davor einmal angesteckt hat, und seitdem keinen XBB-Impfstoffbooster mehr erhalten hat, hat den schlechtesten Schutz gegen die neuen Varianten
  • wer nur den XBB-Impfstoff erhalten hat, dürfte einen gewissen Schutz haben, aber wohl nurmehr einen schlechten Schutz vor Ansteckung
  • wer sich in der letzten Winterwelle (JN.1.) infiziert hat, ist zwar gegen erneute JN.1-Infektion etwas besser geschützt, aber nicht unbedingt gegen die neue Varianten

In anderen Ländern, etwa in Frankreich oder in den USA, wird schon längst dazu aufgerufen, dass zumindest Angehörige von Risikogruppen für einen schweren Akutverlauf über eine weitere (halbjährliche) Boosterimpfung mit XBB.1.5 nachdenken sollten, um in einer mutmaßlichen Frühlingswelle besser geschützt zu sein. Im dt.-sprachigen Raum ist das deutlich schwieriger geworden, überhaupt noch an eine Impfung zu kommen. Reinfektionen und LongCOVID/MECFS sind ein weiteres Thema, aber auch das ein Grund mehr, dass wir mehr auf Booster setzen sollten, da mit zunehmender Anzahl an Impfungen das Risiko von Langzeitfolgen abnimmt.

Am wahrscheinlichsten ist in meinen Augen das Szenario, das mit weiter zunehmenden Anteil der FLiRT-Varianten zumindest der Abwärtstrend im Abwasser in Österreich gestoppt wird bzw. leichte Wiederanstiege anhalten. Die FLiRT-Varianten sind von den Mutationen her noch relativ nah an der Muttervariante, unser Immunsystem kennt R346T z.B. von früheren Varianten, auch F456L ist schon aufgetreten. So gesehen alter Wein in neuen Schläuchen und eher eine kleinere Welle als ein riesiger Wellenberg. Stand heute, denn wir wissen nicht, ob einer weiteren Untervariante wieder so Riesenwurf wie JN.1 gelingt, mit einer einzigen Mutation (L455S). Aber auch dann muss diese potentielle Supervariante wieder einige Zeit zirkulieren und sich schlussendlich durchsetzen.

Vom Zeitraum sehe ich daher bis Pfingsten noch keinen Peak. Dann wirds aber interessant, weil die Fußball-EM von Mitte Juni bis Mitte Juli in Deutschland stattfinden wird. Im zweiten Pandemiejahr fungierte die nachgeholte EM 2020 als Verteilerkreis für die Delta-Variante. Problematisch sind hier weniger die vollen Stadien (im Freien) als die gemeinsame An- und Abreise in Bussen und Fahrgemeinschaften, sowie das Vor- und Nachglühen im Gastgewerbe unter Begleitung von zu viel Alkohol. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, ob wir einen nennenswerten Impact durch die EM auf FLiRT- oder neue Varianten erwarten dürfen, aber im Hinterkopf behalten sollte man es einmal. Die meisten Spiele finden noch in der Schulzeit (Österreich) statt, erst die Finalrunde in den Sommerferien.

Aktuelle Abwasserinzidenzen, Stand vom 23. April 2024

In den aktuellen Abwasserwerten bewegen sich die Bundesländer-Inzidenzen ziemlich auf Höhe des letzten Sommerminimums. Bisher beobachtete Wiederanstiege sind von der Skala her auf niedrigem Niveau und dürften von der Wahrnehmung her kaum auffallen, bzw. bei den anderen grassierenden Viren untergehen (v.a. Parainfluenza, Rhinoviren, Metapneumoviren).

Letzter Stand: Kalenderwoche 16

In Wien sind die Werte ebenfalls *relativ* niedrig und weit entfernt von der Größenordnung der letzten Wellen. Die übelste Zeit ist die Rush Hour, immerhin sieht man da wenigstens ein paar mehr mit Maske.

Meine Empfehlung ist, die kommenden 7-10 Tage das milde Frühlingswetter zu nutzen. Erstens rechnen die Wettermodelle Anfang Mai womöglich die nächste deutliche Abkühlung von Norden, zweitens könnte die Frühlingswelle dann weiter Fahrt aufgenommen haben. Nutzen heißt hier: Viel draußen unternehmen, aber sich drinnen bewusst sein, dass das Infektionsrisiko momentan sehr gering ist bzgl. SARS-CoV2, wenn auch nicht zwangsläufig bzgl anderer Viren.*

Hätte ich jetzt noch Zeit und Muße, würde ich den Beitrag newsletterartig gestalten, denn Keuchhusten ist weiterhin ein Problem in Österreich, ebenso die Masern, und die News aus den USA bezüglich Vogelgrippevirus sind nicht erfreulich. Virusreste werden großflächig in der Milch gefunden, ist also viel weiter verbreitet in den Rindviechern als bisherige Meldungen Glauben machen wollten. Pasteurisierte Milch tötet jedoch zuverlässig jedes lebende Bakterien- und Virusgschnas ab. Aber Vogelgrippeexperten sind natürlich beunruhigt, und mit ein paar Mutationen in Säugetieren könnte uns die nächste Pandemie bevorstehen.

Aber leider hab ich für einen Newsletter keine Zeit mehr und verweise daher guten Gewissens auf folgende Fachblogs:

* z.B. Rhinoviren, die in der letzten Aprilwoche jede dritte viruspositive Probe im Sentinelsystem ausmachten.

PS: CO2-Werte beeinflussen direkt die Übertragungswahrscheinlichkeit!

CO2-Werte in Innenräumen, die wir z.B. mit dem Aranet4 messen können, dienten schon länger als Proxy für die Luftqualität: Je höher die CO2-Werte, desto mehr und länger haben Menschen ausgeatmet und die Luft wurde nicht ausreichend abgeführt seitdem (z.B. Raumabluftanlage, Fenster und Türen öffnen). CO2-Werte sind aber nicht nur ein Indikator für die Luftqualität, sondern beeinflussen direkt die Übertragung virusbeladener Aerosole!

Erste Untersuchungen haben ergeben, dass 90% der anfänglichen Viruslast in der Luft nach zwanzig Minuten bereits inaktiviert wurde (Oswin et al. 2022). Maßgeblichen Einfluss auf die Stabilität von virusbeladenen Aerosolen hat der Säuregehalt (Haddrell et al. 2023). Jetzt hat man den Einfluss von CO2-Werten in der Umgebung direkt nachweisen können (Haddrell et al. 2024).

Beim Ausatmen verdunstet Bicarbonat im virusbeladenen Aerosol. Die Säure verringert sich, wodurch der pH-Wert innerhalb von Sekunden stark ansteigt. Das Virus ist sehr empfindlich auf pH-Werte über 10 und zerfällt dann schnell. Jede kleinste Änderung in diesem Bereich wirkt sich auf die Stabilität des Virus-Aerosols aus. Erhöhte Kohlendioxid-Konzentrationen in der Umgebung bremsen die Zerfallsrate. Wenn sie länger erhöht bleiben, ist noch viel mehr infektiöses Virus in der Luft enthalten (bis zu zehnfache Menge) als bei niedrigen CO2-Werten.

Ein weiterer Grund, weshalb man primär hohe CO2-Werte aus Räumen entfernen sollte, denn mit Luftreinigern bleibt das Problem mit dem Denkvermögen bestehen. Luftreiniger holen aber das Virus (bzw. alle möglichen Viren, Bakterien, Allergene) aus der Luft, und so kann trotz hohen CO2-Werten das Ansteckungsrisiko gering sein. Am effektivsten ist eine Kombination aus beidem: Regelmäßig lüften und Luftreiniger laufen lassen – so wird auch die zugeführte Frischluft gefiltert.

Eine Hiobsbotschaft bleibt laut den Autoren aber über: Die CO2-Konzentrationen steigen durch die anthropogene Freisetzung weltweit auch im Freien an. Das erhöht die Virusstabilität im Freien und kann langfristig die Übertragung unter verschiedenen Spezies und auf den Menschen (neue Pandemie?) begünstigen.

Faktencheck Leitartikel Kurier, 13.04.24

Die Chefredakteurin vom Kurier, Martina Salomon titelte in ihrem Leitartikel „Ein Phantomschmerz ist geblieben“. Insgesamt strotzt der Artikel nur so von gemischten Botschaften. Scheinbar liest er sich als Kritik an der FPÖ, aber tatsächlich liefert sie eine Aussage nach der anderen, die einfach nicht den wissenschaftlichen Tatsachen entspricht oder bestimmte Ressentiments schürt, ohne Erklärungen zu liefern. Faktenchecks sind seit der Pandemie durch „die einen sagen das, die anderen das“ relativ zahnlos geworden. Ich glaube auch nicht, dass diese Klarstellung hier irgendwen überzeugen wird, dass es anders ist als er denkt, aber es schadet nicht, dem Pandemie-Revisionismus wieder einmal mit Entschlossenheit entgegenzutreten. Folgender Faktencheck ist als Truth Sandwich angelegt:

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Wer zu oft Wolf schreit…

Bis zur XBB.1.5-Welle im März 2023 waren meine Einschätzungen hinsichtlich neuer SARS-CoV2-Infektionswellen recht zuverlässig. Es gab naturgemäß bis zu diesem Zeitpunkt auch viel mehr Daten als heute und zumindest bis zum Winter schrieben auch die meisten ExpertInnen noch auf Twitter und wanderten nicht zu Mastodon oder woanders hin ab. Damit befand ich mich ziemlich im Einklang mit allen führenden Expertinnen und es gab eigentlich keine Überraschungen. Dann lehnte ich mich im März 2023 mit XBB.1.16 etwas zu weit aus dem Fenster – unglücklicherweise wurde ausgerechnet dieser Beitrag von einem reichweitenstarken Follower recht prominent repliziert, sodass nachträgliche Korrekturen nicht mehr sichtbar waren. Die große XBB.1.16-Welle fiel aus – andere Experten, mittlerweile nicht mehr auf Twitter vertreten, hatten frühzeitig abgewunken – zu groß die Kreuzimmunität durch BA.5 im Winter 2022/2023 und der erst eben abgelaufenen XBB.1.5-Welle. Aus Schaden wird man klug und seitdem bin ich deutlich vorsichtiger beim Ausrufen neuer Wellen. Zudem entledigte ich mich einiger Möchtegernexperten auf Twitter, die sich als „Große Klappe, nichts dahinter“ entlarvt hatten oder von seriösen ExpertInnen entlarvt wurden. Hochstapler gibt es leider nicht nur auf Seiten der Verharmloser, sondern auch auf der der „Doomer“. Friendly fire sozusagen, mit dem man sich unglaubwürdig macht.

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Pandemie: Aufarbeitung ohne Gegenwart?

Vier Jahre sind schnell vergangen und während viele Menschen vergessen haben, wie die Pandemie begann, wird sie für die von Spätfolgen der Infektion Betroffenen wahrscheinlich nie enden. Der Großteil der Bevölkerung will von Corona nichts mehr wissen, aber eine Minderheit, die schon früh gegen die Schutzmaßnahmen gestänkert hat, kann nicht loslassen und möchte amtlich verbrieft von ihrer schweren Schuld reingewaschen werden. Worin besteht diese Schuld? Im Kern aus den folgenden Fragen:

  • Wie viele Infektionen hätte ich vermeiden können, wenn ich X anders gemacht hätte oder Y nicht gemacht hätte? Inwiefern sollte ich mir hier selbst Vorwürfe machen?
  • Gibt es nahestehende Menschen, die diese Langzeitfolgen haben, weil ICH sie infiziert habe? Machen sie MIR Vorwürfe? Mache ich MIR Vorwürfe?
  • Werden meine Kinder ein kürzeres Leben haben oder ständig mit großen gesundheitlichen Herausforderungen konfrontiert sein, wegen der Entscheidungen, die wir für sie getroffen haben, als sie dafür noch zu jung waren? Werden sie als Erwachsene mir die Schuld geben für all die Entscheidungen, die ich getroffen habe? Werde ich MIR Vorwürfe machen?

Sich diesen Fragen zu stellen, würde dazu zwingen, sich mit der Realität der Pandemie auseinanderzusetzen, was viele lautstarke Kritiker und Leugner vermeiden wollen. Die Antworten wären nicht ertragbar. (mehr zum Thema Realitätsverleugnung und Trauma). Daher werden lieber die Schutzmaßnahmen selbst in Frage gestellt, um das eigene Fehlverhalten bzw. die widerwillig befolgten Regeln im Nachhinein zu entschuldigen. Durchschaubares Verhalten, sollte man meinen, doch der Umgang der Medien und der Politik mit diesen Ablenkungsmanövern trägt nicht zur Verbesserung der Stimmungslage insgesamt bei, und schon gar nicht zu Lehren aus der Pandemie, es künftig besser zu machen.

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Skandal: Gesundheitsminister Rauch hintergeht Risikopatienten!

Im Frühjahr 2023 hat Gesundheitsminister Rauch noch behauptet, dass das Testen von Menschen mit Symptomen kostenfrei bleiben würde, um eine Behandlung mit COVID-19-Medikamenten abzuklären (betrifft in erster Linie Risikopatienten, weil Paxlovid/Metformin nicht für gesunde Menschen empfohlen werden)

Gesundheit dürfe keine „Frage des Geldes und des Einkommens sein“, hielt Gesundheitsminister Rauch eingangs fest. Es müsse in Österreich Gesundheitsleistungen auf hohem Niveau für alle geben, „dafür brauche ich meine E-Card, nicht meine Kreditkarte“, sagte Rauch.

Derstandard, 28. März 2023

Ende März 2024 zeigt sich dann, wie viel von Rauchs Ankündigungspolitik zu halten ist: NICHTS.

Die geltende Verordnung läuft mit 31. März 2024 aus. Ab April sind Corona-Tests auch bei Krankheitsverdacht (Antigentests, bisher wurde nur jeder fünfte Antigentest mit PCR nachgetestet) kostenpflichtig – mit bis zu 40 Euro pro Test (25 Euro für Durchführung und 15 Euro für das Test-Set) – ein Wucherpreis, wenn man bedenkt, wie viel man für handelsübliche Schnelltests bei jedem Medizinfachgeschäft bekommt. Das wird die Testquote stark nach unten drücken.

Das Problem mit der Kostenübernahme ist schon länger bekannt, weil der Bund für die Bezahlung der Tests einspringt – mit Auslaufen der Regelungen nach dem Epidemiegesetz (SARS-CoV2 ist in Österreich nicht mehr meldepflichtig) ist eigentlich die Sozialversicherung zuständig.

Das Gesundheitsministerium hat noch Mitte Dezember 2024 behauptet, dass die Tests für Patienten kostenlos bleiben würden.

„Heute“ fragte im Gesundheitsministerium nach, ob die Gratis-Tests in Ordinationen tatsächlich mit nächstem Jahr Geschichte sind. Dort ist man um Beruhigung bemüht: „Der Bund wird die Kosten für die Covid-19-Antigentests bis Ende März 2024 weiterhin tragen“, wird versichert. Mitte April würden die Testungen in die Regelstrukturen überführt und von der Sozialversicherung übernommen. Für die einzelnen Patienten ändere sich dadurch aber an der aktuellen Praxis nichts. Das Geld komme eben dann nur aus einem anderen Topf, die Tests blieben kostenlos.

HEUTE, 18. Dezember 2023
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SARS-CoV2 trotzt der virologischen Sackgasse

Virologe Drosten in der „Zeit“ am 23. November 2022 (BA.5-Welle)
Evolutionäres Muster bei der Variantenentwicklung von SARS-CoV2 seit der Omicron-Untervariante BA.5, Credits: JP Weiland

Vorhersagen sind schwierig, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen. Das scheint nicht nur auf Meteorologen und Wahlforscher zuzutreffen, sondern auch auf Virologen. Wir erleben in regelmäßigen Abständen weitere Revolutionen, die zu globalen Wellen führen – unabhängig von der Jahreszeit. Nach der Übernahme durch eine Variante bildet sich jeweils eine Variantensuppe aus, bei der verschiedene Untervarianten ähnliche Spike-Mutationen aufsammeln, die alle einen gewissen Wachstumsvorteil bewirken. Das führt zu geographisch begrenzten Infektionswellen. Schließlich kommt der Sprung auf eine neue Variante – im Fall von XBB.1.5 war es die Rekombination zweier älterer Varianten, bei BA.2.86/JN.1 eine chronische Infektion über Jahre.

Mit der hohen JN.1-Welle im Dezember 2023 hätte es mal wieder ausgestanden sein können, doch SARS-CoV2 ist einfallsreich und arbeitet an einem kontinuerlichen Verbesserungsprozess. Im April könnte es dadurch weltweit die nächsten signifikanten Wiederanstiege geben, egal, ob gerade Frühling oder Herbst herrscht.

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Ich bereue es nicht.

Körperliche und geistige Auszeit ist notwendig

Der Blog macht Pause auf unbestimmte Zeit. Mir fehlt die Zeit, Literatur zu sichten, zu sammeln und einzupflegen, oder längere Beiträge zu recherchieren.

Rückblickend betrachtet bereue ich es zu keiner Zeit, so intensiv drangeblieben zu sein. Die Pandemie wurde mehrfach beendet erklärt, als es noch größere Wellen mit tausenden Toten und noch mehr LongCOVID-Betroffenen gegeben hat. Es war definitiv nicht falsch, sich nicht anzustecken, als wir noch nicht wussten, ob und wie stark die Impfung das LongCOVID-Risiko senken kann. Es war (und ist) auch weiterhin nicht falsch, Infektionen zu vermeiden. Ich hätte das gerne so strikt durchgezogen bis eine effektive Schleimhautimpfung zur Verfügung steht, aber dieser Zeitpunkt kam und kam nicht, und meine Lebensumstände erlauben es nicht, so lange zu warten. Jetzt sind wir in der post-akuten Phase der Pandemie, was aber auch vom Kontinent abhängt. Es endemisch zu nennen, ist für manche Experten auch legitim, aber es war unabhängig davon ein Fehler, eine so hohe Grundinfektionsrate zuzulassen und nichts mehr zu tun, weitere Wellen abzufedern.

Im Laufe der Jahre habe ich meinen Kompass ständig hinterfragt, versucht einzunorden, mit Hilfe von ExpertInnen und Gleichgesinnten – bisweilen schoss ich übers Ziel hinaus, letztes Jahr kam die große XBB.1.16-Welle nicht und dann wehrte ich mich gegen hochgradig manipulatives Verhalten, das meine ganze wissenschaftsorientierte Denkweise zur Prävention in Frage stellte. Nein, ich kläre nicht seit 4 Jahren zu „Covid is airborne“ auf, um mir dann exzessiv die Hände waschen, Augentropfen und Mundspülung zu verwenden, und mir selbst Outdoor-Treffen schlechtreden zu lassen. Zum Glück war ich stark genug, mich davon zu befreien und weiterhin wissenschaftlich vorzugehen – zu messen und danach zu handeln. Das mache ich bis heute.

Derzeit sind die Abwasserwerte in Österreich einfach sehr niedrig, nur wenig höher als im Juli 2023. Damit geht mehr als früher. Ein bisschen Glück zählt immer dazu. Aber frisch das achte Mal geimpft hilft dem Glück wahrscheinlich auf die Sprünge. Ich werde, obwohl ich selbst jetzt mehr Risiken eingehe, die vielleicht nicht mal erhöhte Risiken sind, nichts nachträglich herunterspielen oder gar verleugnen. Mit halbem Auge schau ich weiterhin auf die Variantenentwicklung, um vorgewarnt zu sein, falls sich eine neue Welle abzeichnet und ich mein Verhalten wieder anpassen muss. Mein Engagement zur Pandemie mag auf Twitter und über meine Leser einen Impact gehabt haben, im beruflichen Umfeld hat es sich nicht so erfolgreich entwickelt. Mein umfangreiches Wissen wird nicht dort wahrgenommen, wo die Entscheidungen getroffen werden. Der Gipfel von allem war die Verteilung von hochdosierten Vitamin-C-Tabletten mit Zustimmung des Betriebsrats, während gleichzeitig keine Eile herrschte, maßgeschneiderte Luftreiniger zur Verfügung zu stellen. 4 Jahre Pandemie, über 20000 Tote und hunderttausende LongCOVID-Betroffene, über 80 000 MECFS-Betroffene, eine Menge neue Erkenntnisse darüber, welche neurologischen und degenerativen Erkrankungen Infektionskrankheiten so alles auslösen, und das einzige, was „überlebt“ hat, sind Desinfektionsspender in öffentlichen und betrieblichen Gebäuden sowie Vitamintabletten.

Während die Welt großteils zu „business as usual“ übergegangen ist, kann ich nicht vergessen und verzeihen. Das Gefühl der unaufgeklärten Katastrophe, die für viele Betroffene immer noch andauert und – mit abnehmender Boosterzahl und fehlendem Medikamentenzugang – weiter neue Betroffene produzieren wird, wird mir für immer bleiben, fürchte ich. Die Reichweite über Blog und Twitter, durch Musk bald unkenntlich zerstört, ist begrenzt. Das ist kein fishing for compliments, ich sehe der Realität ins Auge und da heißt es leider – nobody gives a shit. Damit ich wieder mehr shit geben kann, muss ich jetzt allerdings mehr auf mich selbst schauen, und daher mache ich hier eine Weile dicht. Weil das leider immer noch ein Ein-Mann-Betrieb ist, heißt das, es werden Wissenslücken auf dem Blog entstehen.

Meine Momentaufnahme hier liegt dann etwas zurück, aber letztendlich gilt unverändert: Das Virus wird über die Luft übertragen, FFP2-Masken schützen mich selbst und andere, regelmäßig impfen schadet nie, Medikamente, wenn man rankommt, auch nicht, und sich absichtlich anhusten lassen ist definitiv kein Ratschlag, weil es keine Immunschuld gibt. Sich von allen fernhalten, die Symptome haben, ist nie ein Fehler.

Ohne weitere Welle ins Frühjahr?

Laut den heute aktualisierten Sentinaldaten in Österreich gibt es keine Überraschungen. Bei einer Gesamtprobenzahl von n = 206 (deutlich gesunken) sind 26% von Influenza, wobei Influenza A weiter zurückgeht und Influenza B leicht zunimmt. Influenza B hat im Vorjahr die Saison mit einem deutlich flacheren Gipfel bis Anfang April gestreckt. RSV ist mit 11% stabil und SARS-CoV2 mit 1,4% stabil niedrig. Der Rest sind Rhinoviren und humane Coronaviren, die beide grippale Infekte verursachen – aber in der Regel kaum mit Spätfolgen verbunden sind.

Die Masern sind leider auch weiter am Vormarsch und daher sollte man seinen eigenen Impfpass einmal überprüfen. Wer nach 1970 geimpft wurde, hat den Lebendimpfstoff zumindest einmal erhalten (Masern-Mumps-Röteln-Kombinationsimpfung). Wer davon noch einen messbaren Impftiter vorzuweisen hat oder als Kind die Masern durchgemacht hat, ist lebenslang geschützt. Empfohlen wird aber schon länger eine zweite MMR-Impfung, um Impfversager vom ersten Mal mitzunehmen. Die 2. Impfung gilt daher nicht als Booster. Ich hab das vor kurzem unkompliziert in einer Ordination für Reiseimpfungen nachgeholt, ohne vorherige Titerbestimmung, denn Überimpfen geht nicht.

Viruslast im Abwasser, nach Bundesländern und Gesamt (schwarz), bis 20./21. Februar 2024

Die aktuelle Abwasserkurve zeigt eine Stabilisierung der SARS-CoV2-Werte auf niedrigem Niveau – geringer als im Winter 2022/2023, aber noch höher als im Juli 2023. Die dominante Variante ist JN.1 und Sublinien. In Vorarlberg gibt es einen leichten Wiederanstieg, der vor allem auf die Gebiete Hofsteig und Bregenz (unteres Rheintal) zurückzuführen ist, sich aber schon wieder abgeschwächt hat – wahrscheinlich ein lokaler Cluster. In Wien zeigt die Tendenz weiter nach unten – hier dürften die Werte nahe dem absoluten Minimum seit Beginn der Abwasseraufzeichnungen liegen.

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Drei Rekordwellen und keine Prävention

Abwassermonitoring Wien: Influenza, RSV und SARS-CoV2-Viruslast (Sonntagswerte), jeweils aktuelle Saison (rot) und Vorjahr (blau)

Die Krankheitswellen von SARS-CoV2, Influenza und RSV erreichten in diesem Winter neue Höchststände. Möglich gemacht hat dies das Ende von Public Health, das Ende jeglicher Primärprävention, die darauf abziehlt, Infektionen zu vermeiden, und Sekundärprävention wie die Impfung, die einen kleinen Teil an Infektionen vermeidet, aber vor allem schwere Verläufe verhindern kann.

Zumindest die Influenzakurve von diesem Jahr (rot) ist von den Werten zu hinterfragen, der scharfe Knick schaut unplausibel aus und im Vergleich zur Vorwoche sind die Höchstwerte im selben Zeitraum deutlich niedriger, da könnte also noch ein Hund drin sein. #GrainOfSalt

So oder so bleibt aber die Erkenntnis, dass wir mit signifikanten Krankheitswellen zu tun haben, die wir durch PRÄVENTION deutlich verringern könnten – wenn wir es denn nur wollen würden. Laufende Krankenstände sind das eine, die Spätfolgen das andere – und wer beides nicht für relevant hält, muss nur auf die Absagenflut im Skizirkus schauen – sowohl Ausfälle durch akute Krankheitsfälle oder schwere Stürze für alle schlechten Vorbilder, die trotz Krankheit Höchstleistungen vollbringen wollen, als auch vorzeitiges Karrierende von sehr jungen Sportlern, die gesundheitsbedingt aufhören müssen. Das C-Wort wird naturgemäß in den seltensten Fällen erwähnt – man möchte die Zuschauer schließlich nicht verunsichern, ihre eigene Verleugnung zu hinterfragen.

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