Daten, Fakten, Aufklärung

Autor: CitizenJournalist (Seite 2 von 4)

Wer seine Mitmenschen schützt und Maske trägt, ist wirklich gegen Rechts

Die kollektive Verleugnung und Verdrängung der nicht beendeten SARS-CoV2-Pandemie führt zu vermeidbaren Todesfällen und weiteren Spätfolgen in einem inakzeptablen Ausmaß. Betroffen sind nicht nur gesundheitlich anfällige Personen, sondern auch überproportional all jene Menschen, die in hochexponierten Berufen arbeiten (Gesundheits- und Bildungspersonal) bzw. niedrig qualifiziert sind und eine andere Herkunft haben („Systemerhalter“).

So beeindruckend die Zivilgesellschaft in Deutschland auf die NS-Phantasien der rechtsextremen Parteien reagiert – in Deutschland äußern sich sogar Fußballtrainer in der Öffentlichkeit -, so enttäuschend ist ihre Abwesenheit in der Pandemiephase, in der hohe Infektionszahlen mit allen schwerwiegenden Folgen normalisiert worden sind. Hunderttausende protestieren gegen eine Ideologie, die mit der erfolgreich umgesetzten Great-Barrington-Declaration in der Pandemie bereits Einzug in die Lebensrealität vieler Menschen gehalten hat, die eine SARS-CoV2-Infektion nicht schadlos überstanden haben bzw. sie weiterhin vermeiden müssen. Die Pandemie hat von Beginn an überproportional Menschen mit niedriger Bildung und anderer Herkunft betroffen, aber genauso alte und kranke/behinderte Menschen. Die Mehrheitsgesellschaft wähnt sich in der „alten Normalität“, „nach Corona“, doch die alte Normalität starb 2019. Jetzt gibt es nurmehr die Wahl, ein Sozialleben mit oder erhöhtem SARS-CoV2-Infektion zu pflegen. Das kann dazu führen, dass vulnerable Angehörige versterben oder schwerkrank zurückbleiben.

Deswegen wirken diese ganzen maskenlosen Demos ohne jede Schutzmöglichkeit scheinheilig: Es ist sehr leicht, sich „gegen Rechts“ zu positionieren, aber im Alltag dann das Gegenteil zu leben. Wo war diese „Zivilgesellschaft“ in den letzten vier Jahren der Pandemie? Wie empathisch ist die Mehrheitsgesellschaft jetzt mit Menschen, die sich immer noch schützen wollen oder müssen? Wie geht sie mit den neuen chronisch Kranken um? Wie viel Verständnis hat sie dafür, wenn man lediglich darum bittet, bei Symptomen eine Maske zu tragen und zu testen? Wo sind die Aufrufe der Organisatoren der „Demos gegen Rechts“, in größeren Menschenansammlungen eine Maske zu tragen, damit all jene „Vulnerable“, die das erste Opfer einer faschistischen Wiederkehr sind, sich beim Protest inkludiert sehen?

Sich vom rechten Gedankengut abzugrenzen und laut gegen die AfD oder FPÖ zu demonstrieren reicht nicht. Es ist der Umgang mit den Mitmenschen, die Handlungen, die man setzt, die zeigen, ob man es ernst mit dem „Nie wieder ist jetzt!“ meint. Ich sehe diesen Ernst in weiten Teilen der jetzigen Zivilgesellschaft nicht.

(Kurzfassung – für ausdauernde Leser gibt es auch eine Langfassung, siehe unten, bitte nicht beschweren, dass es so lang ist, ich kann mir leider nicht helfen)

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MECFS/LC und SARS-CoV2-Monitoring: PR-Aktionen des Gesundheitsministers

Gesundheitsminister Rauch kurz nach Amtsantritt, DerStandard am 10. März 2022: Ein Staat, der nicht bereit ist, das schwächste Glied zu schützen, ist keine Demokratie mehr, sondern setzt das Recht des Stärkeren um – bzw. hier das Recht der vermeintlich gesunden Mehrheit, die zu bequem ist, für andere zu verzichten oder sich geringfügig einzuschränken (z.B. Maske im Wartezimmer, in Öffis oder generell bei Symptomen zu tragen). Das ist „Health Supremacy“.

Es gibt schon wieder zu viele brennende Themen, die ich als One-Man-Show kaum adäquat abdecken kann. Zwei davon möchte ich jetzt herausgreifen, weil sie gerade sehr drängend sind. Das eine ist unsere Datenqualität, mit der das Infektionsgeschehen überwacht wird, das andere der Umgang mit chronisch kranken Menschen durch die Infektion selbst. Der Gesundheitsminister zeichnet sich wiederholt durch PR-Aktionen aus, die sich hinterher als Luftblasen entpuppen. De facto wird nichts bzw. bei weitem nichts ausreichendes getan – weder zum Schutz der Betroffenen, noch zu deren Therapiemöglichkeiten oder sozialer Absicherung. In der jetzigen Konstellation als Gesundheits- und Sozialminister ist Rauch (Grüne) für beides zuständig. Ein Infektionsgeschehen nur zu überwachen, aber nicht einzugreifen, wenn die Welle Rekordhöhen erreicht, ist pure Heuchelei. Wir sahen dies schon in den ersten Pandemiejahren, als man Schulen als „Infektionsradar“ instrumentalisierte, statt eben dort Schutzmaßnahmen zu verhängen, um Kinder, Jugendliche, aber auch Pädagogen zu schützen.

Im vergangenen Jahr wurden viele LongCOVID-Ambulanzen geschlossen, obwohl diese nach eigener Auskunft mit massiven Anfragen und Überlastung zu tun hatten. Verbleibende, wenige Fachärzte in Österreich, die sich mit postviralen Erkrankungen generell auskennen, waren und sind völlig überlastet. Auf ihnen lastet eine menschenunmögliche Verantwortung, selbst bloß nicht auszufallen.

Der Vorgänger von Rauch, Wolfgang Mückstein, ließ in einer Stellungnahme an MECFS-Betroffene am 21. Februar 2022 ausrichten, dass die Zuständigkeiten bei MECFS unklar sein würden, und es auch wenig Forschung geben würde, um das Feld voranzubringen. Es wurde außerdem behauptet, dass es bei MECFS keine klaren biologischen Marker geben würde, eine eigene Anlaufstelle für MECFS-Patienten war nicht geplant.

Anlaufstellen, soziale Absicherung, kein Zwang zur Verschlechterung der Erkrankung durch aktivierende Reha-Maßnahmen, Übernahme von teuren Medikamenten durch die Kasse, mehr Pflegepersonal für Schwerbetroffene – das alleine sind bereits wichtige Punkte, die in Angriff genommen werden müssen. Es ist aber auch genauso wichtig, dass sich die Betroffenen selbst gegen ein dauerhaft etabliertes, hochinfektiöses Virus schützen können, indem pflegende Angehörige geschützt werden. Und da passiert eben nichts mehr bzw. das Gegenteil wie Erschwerung von Impfstoffangebot, strengere Kriterien für Paxlovid-Erhalt und keinerlei Schutz in Spitälern bzw. Verbote, Luftreiniger zu verwenden.

Zur Klarstellung der Begrifflichkeiten:

LongCOVID ist ein Oberbegriff für verschiedene Spätfolgen einer SARS-CoV2-Infektion, von Lungenembolie über Herzmuskelentzündung, kognitive Einschränkungen und Demenz, chronische Infektion und dauerhaftem Geruchsverlust bis hin zu Belastungsintoleranz (PEM) und Bettlägerigkeit.

MECFS ist eine postvirale Erkrankung, deren Leitsymptom die Belastungsintoleranz ist. SARS-CoV2 ist einer der Auslöser, davor waren es Influenza, Epstein-Barr-Viren und andere Virusinfektionen. Zu trennen ist also das allgemeine LongCOVID vom spezifischen LongCOVID mit PEM, das nach 6 Monaten zum MECFS wird. Unter diesen Voraussetzungen kommt eine Hilfe für LongCOVID mit PEM-Betroffene auch MECFS-Betroffenen zugute und umgekehrt.

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Skandal: Wiener Konzerthaus bietet Pandemieleugnern eine Bühne

Werbung für eine Pandemieleugner-Veranstaltung im Wiener Konzerthaus

Das Wiener Konzerthaus wurde 1911-1913 errichtet. Es ist die Hauptspielstätte der Wiener Symphoniker, des Wiener Kammerorchesters und des Klangforums Wien. Die Wiener Konzerthausgesellschaft fungieren als Betreiber des Konzerthauses und ist ein privater, gemeinnütziger Verein. Neben dem offiziellen Programm wird es auch privat für Betriebsfeiern, Modeschauen, Kongresse und Geschäftspräsentationen genutzt. Die hier beworbene Veranstaltung ist so ein privater Anlass und wurde im offiziellen Programm des Wiener Konzerthauses nicht ausgeschrieben. Das ist jedoch keine Rechtfertigung, demokratiefeindlichen Gruppierungen eine Plattform zu bieten. Neben der LFÄ werben auch die „Grüne gegen die Impflicht & 2G“ für die Veranstaltung sowie der deutsche Verein „Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie“ (siehe Faktencheck) – zu den Gründern zählen u.a. Sucharit Bhakdi und Stefan Homburg, Mitglied ist zudem Wolfgang Wodarg.

Die Veranstaltung ist kein Einzelfall. Bereits am 20. Oktober 2023 fand im Klagenfurter Konzerthaus eine ähnliche Veranstaltung statt. Hauptredner damals: Martin Haditsch, der meinte, man hätte Covid „lieber laufen lassen sollen“. Haditsch war von Beginn an als Verharmloser der Pandemie gemeinsam mit AIDS-Leugner Christian Fiala in Erscheinung getreten, am 3. September 2020 wurde er von Ö1-Redakteurin Renate Schmidt-Kunz unkritisch interviewt. Veranstalter in Klagenfurt waren die „Liste der freien Ärztinnen Kärntens“ (LFÄ), eine MFG-nahe Liste, und die „Wissenschaftliche Initiative – Gesundheit für Österreich„, ein Verein von Pandemieleugnern mit Obmann Andreas Sönnichsen, von dem sich die Universität Wien bereits im ersten Pandemiejahr distanziert hat.

Update, 24.1.23

„das wiener konzerthaus hat mir heute mitgeteilt, dass es vom mietvertrag für die als „wiener gesundheitstage“ gebuchte veranstaltung zurückgetreten ist, bei der wordag und andere referenten ihre wissenschaftsfeindlichen „ergüsse“ loswerden hätten wollen. protestemails wirkten.“ (Quelle: Otmar Tuma, Twitter)

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Das fünfte Pandemiejahr: Der aktuelle Stand

Nationales Abwassermonitoring in Österreich, Stand 02.01.24 – Der Eindruck täuscht, an zwei Wellenpeaks waren mindestens drei dominante Varianten beteiligt: XBB.1.5 im Spätwinter, EG.5.1. ab dem Sommer und JN.1 zum Peak im Dezember – rot eingefärbt ist die Fläche unter der Kurve, das is die relevante Zahl der Infizierten.

Der aktuelle Stand… da fängt das Problem schon an. In Österreich gibt es keine aktuellen Daten. Die meisten Abwasserdaten aus den Bundesländern gehen nur bis 02. Jänner 2024. Die gute Nachricht ist, dass der Peak von JN.1 überschritten wurde. Die schlechte Nachricht besteht aus zwei schlechten Nachrichten: Wir wissen nicht, ob der Rückgang durch die Weihnachtsferien beschleunigt wurde und in den kommenden Wochen ein Wiederanstieg droht, und gleichzeitig haben wir nun offiziell die Influenzawelle eröffnet.

Laut den Einsendungen der Sentinel-Ärzte an die Virologie Wien war die Verteilung zuletzt so:

VirenKW51KW52KW1
Anzahl Proben417170231
SARS-CoV230%28%35%
Influenza10%22%29%
RSV10%13%9%
Rhinoviren5%11%11%
90% der eingesendeten Influenzaproben sind vom Subtyp A H1N1 (pdm), der auch im aktuellen Influenza-Impfstoff enthalten ist, dargestellt sind die Sentinelproben mit positivem Virusnachweis

Etwa ein Drittel der Hustenchoräle in den Öffis sind also weiterhin von SARS-CoV2, ein Drittel bald von Influenza und auf niedrigerem Niveau zirkulieren RSV und Rhinoviren. Nur weil der Peak von SARS-CoV2 überschritten wurde, ist das kein Grund zur Entwarnung. Wenn das Hochwasser die Scheitelwelle überschreitet, räumt man ja auch nicht sofort die Sandsäcke weg und öffnet die Deichschutzbarrieren, sondern wartet, bis das Wasser vollständig abgelaufen ist. Die miese Impfquote bei Influenza (ca. 10-15%) rettet uns auch diesen Winter nicht, zumal sie nach einer vorausgehenden Corona-Infektion schwerer verlaufen kann. Oder wie ich durch den Krieg in Osteuropa von Militärexperten gelernt habe: Clusterfuck.

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Eine Bevölkerung in Angst: Wie unreife Abwehrmechanismen den Handlungsspielraum einschränken

Zu Beginn der Pandemie: „Corona ist ein milder akuter Atemwegsinfekt“, später: „Ok, Covid kann chronische multisystemische Verläufe verursachen, wir sind nur nicht überzeugt, dass wir die Krankheit ausrotten müssen.“ – Ups… Scheiße.

„Hat man Angst vor Corona, wenn man Maske trägt oder Corona?“

fragte mich ein Mitarbeiter im Aufzug vor ein paar Monaten. „Weder noch. Die Infektionszahlen sind wieder hoch“ entgegnete ich, eine schlagfertigere Antwort fiel mir in der Situation leider nicht ein. „Aha„.

Fremder: „Warum trägst Du eine Maske. Es verschreckt die Menschen.“

Ich: „Es tut mir leid, dass ihr alle in Angst lebt.“

Fremder: „Was?“

Ich: „Wenn Dich Masken verschrecken, solltest Du eben daheim bleiben.“

Fremder: „Du kannst von uns nicht erwarten, daheimzubleiben.“

Ich: „Dann rede mit Deinem Therapeuten über Deine Angst vor Masken. Übernimm Eigenverantwortung!“

@Guiness_Pig, 20.12.23

Die wahren Helden in der Pandemie sind für mich jene Menschen, die trotz abwertender Blicke und abschätziger Bemerkungen bis hin zu verbalen und körperlichen Angriffen standhaft bleiben und weiterhin versuchen, sich selbst und ihr engstes Umfeld zu schützen – manchmal selbst gegen die Widerstände des Umfelds selbst. Sie haben sich entschieden, ihre persönliche Freiheit in einer Pandemie nicht gegen Egoismus und Empathielosigkeit einzutauschen. Dafür gebührt ihnen Hochachtung. Die österreichische Bevölkerung denkt leider zu einem signifikanten Teil (30-50%), dass der Staat kein Recht habe, in das Leben der Menschen einzugreifen und die persönliche Freiheit über dem des Gemeinwohls stehen würde (siehe Wissenschaftskepsis-Studie S. 106). Eigenverantwortung wird mit persönlicher Freiheit, aus Bequemlichkeit andere zu gefährden verwechselt.

Die Gründe dafür, weshalb die Menschen so denken und handeln, wie wir das täglich trotz rekordhoher Infektionszahlen, Krankenstände in allen Lebensbereichen, schweren Langzeitfolgen und plötzlicher, unerklärlicher Todesfälle junger Menschen erleben, sind vielschichtig. Desinformation durch Regierung und Medien, niedrige Gesundheitskompetenz, rechtsradikale Ideologie und weit verbreiteter Aberglauben und Steiner-Philosophie spielen ebenso eine wichtige Rolle wie der erbärmliche Zustand des Journalismus als wichiges Kontrollorgan des Parlaments und hausgemachteter Missverständnisse, wie guter Journalismus in einer Pandemie (Stichwort: False Balance) auszusehen hat.

Diese Gründe detailliert zu analysieren, könnte zu einer Lebensaufgabe ausarten – ich möchte mich daher in diesem Beitrag auf die wesentlichen Abwehrmechanismen der menschlichen Psyche in krisenhaften Zeiten konzentrieren – und wie man damit umgehen bzw. was man bessermachen kann.

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Pandemierevisionismus als Weihnachtsgeschenk

Rund um den Höchststand in den Abwasserzahlen – zugleich die höchsten Infektionszahlen seit Pandemiebeginn – hält die Bundesregierung eine Pressekonferenz zum Thema „Nach Corona“ – Aufarbeitungsprozess

Für die Mehrheit der Bevölkerung ist Corona vorbei, weil man ihnen eingeredet hat, dass es vorbei ist. Bei Rekordkrankenständen wegen dem Coronavirus, bei über 1000 stationären Aufnahmen wegen dem Coronavirus, bei über 2000 Aufnahmen aufgrund von schweren Infekten, die über die Atemwege übertragen werden und durch die gleichen Schutzmaßnahmen verhindert werden könnten wie SARS-CoV2 auch. In der 49. Kalenderwoche (4-10.12.) wird Österreich wahrscheinlich in eine substantielle Übersterblichkeit kippen, bei den 0-14jährigen ist es bereits ein neuer Höchstand . SARS-CoV2 hat weiterhin beträchtliche Langzeitfolgen und wer seine Impfung nicht regelmäßig auffrischt und sich stattdessen wiederholt infiziert, erhöht sein Risiko, diese zu bekommen: Autoimmunerkrankungen, metabolische Störungen und Durchblutungsstörungen des Gehirns, erhöhtes Risiko für Schlaganfälle, Epilepsie und Demenz, schwere kognitive Einbußen auch in jungen Jahren mit einer Post-Covid-Symptomatik, die sich zwei Jahre und länger halten können – kurz gesagt, ein ganz normales Erkältungsvirus, wie wir es schon vor der Pandemie kannten (ich sollte Ironie besser kennzeichnen).

In diese aktuelle Situation mit Höchstständen bei den Infektionszahlen, die niemand bestreiten wird, nicht einmal jene, die gleichzeitig sagen, dass die Pandemie vorbei ist und nicht verstehen, warum sie sich ständig infizieren, in diese Situation hinein wird also das „Ende des Aufarbeitungsprozess“ NACH CORONA präsentiert, auch Versöhnungsprozess genannt, was einen bitteren Nachgeschmack hat, weil nach Ende der Apartheid in Afrika auch Versöhnungskommissionen eingesetzt wurden:

„Besonders umstritten war, dass die Täter für ihre gestandenen Taten nicht nur vor Strafverfolgung geschützt waren, sondern auch vor zivilrechtlichen Schadensersatzklagen von überlebenden Opfern oder Hinterbliebenen.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrheits-_und_Vers%C3%B6hnungskommission#cite_note-csvr-8

Der Bundeskanzler hustend vor der Presse: „Tschuldigung, ist ein grippaler Infekt…(hust) … mit längerer Zeit.“ Ein Journalist vom ORF, offensichtlich krank: „Entschuldigen Sie, ich bin auch bedient.“ Nehammer: „Ich verstehs.

Keine Masken.

Katharina Reich, Generaldirektorin für Öffentliche Gesundheit im Gesundheitsministerium:

„Ja, nun sind die Zeiten anders, die Pandemie ist vorbei. Wir erleben jedoch, ja, derzeit die größte Coronawelle bisher.“

Damit wäre eigentlich schon alles gesagt.

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Österreich: Der aktuelle Stand der Misere

CO2-Messung in einem Klassenzimmer einer Schule in Österreich, inklusive Grenzwerte und Auswirkungen – ab 2000ppm atmet man bereits 4% der Luft ein, die andere ausgeatmet haben – aus der Pressekonferenz am 15.12.23

Über Kinder und Jugendliche wird seit dem Ende aller Schutzmaßnahmn viel zu wenig gesprochen. Sie spielen für die Politik keine Rolle mehr und sie werden von den Medien konsequent ausgeblendet. Ein Lichtblick war die Pressekonferenz der IGÖ mit spannenden Daten und Fakten zur unzureichenden Frischluftzufuhr in Klassenzimmern, aber auch zu den vielen infektionsbedingten Krankenständen. In meiner letzten Kolumne im Coronawissenblog habe ich mich ausführlich den vergessenen Kindern gewidmet. Denn ein Großteil ist weiterhin ungeimpft, dafür mehrfach infiziert und das hat für einen wachsenden Teil an Betroffenen Spätfolgen. Es ist schlimm genug, dass nicht einmal eine Maskenpflicht im Gesundheitswesen angedacht ist – wohl aus Angst, das ohnehin knappe Personal würde dann davonlaufen, aber auch im Bildungswesen geschieht leider viel zu wenig, dabei hätte man mit CO2-Messungen und Luftfiltern einen effektiven Hebel, gegenzusteuern. Bei den Kinderkliniken ist die Situation bereits kritisch, was man aus den spärlichen Informationen herauslesen kann, ebenfalls in Deutschland.

Die sonstigen Aussichten sind betrüblich: Das Niveau von SARS-CoV2 in den Abwasserwerten ist weiterhin auf Rekordniveau, gleichzeitig gibt es steile Anstiege bei Influenza und RSV. Die Hospitalisierungen durch SARS-CoV2 steigen weiter an, auch in anderen Ländern und in mutmaßlichem Zusammenhang mit der Dominanz von JN.1. Die Risikokommunikation in Rundfunk und Fernsehen ist mehrheitlich (!) katastrophal, da verharmlosend, und. Die Regierung versagt in der Vorbildfunktion bei Benefizveranstaltungen und die Opposition pisst sich wegen der FPÖ ins Hemd. Keiner ist gewillt, ein Projekt zu starten, um sachlich und fundiert über gesellschaftliche Notwendigkeiten wie soziale Teilhabe, Recht auf Gesundheit und angemessene Versorgung im Krankheitsfall aufzuklären. Stattdessen nivellieren wir uns weiter nach unten, nehmen als Maßstab Länder oder Zeiträume, wo die Situation viel schlechter war, statt den status quo zu normalisieren.

Es ist ein langer, mühsamer Weg, um wieder zu mehr Lebensqualität zu finden, ohne dass alle Bereiche des Lebens direkt (eigene Erkrankung) oder indirekt (Krankenstände anderer) eingeschränkt sind. Derzeit bewegen wir uns nicht dorthin.

Die Virologin Isabella Eckerle (aktuelles Buch: Von Viren, Fledermäusen und Menschen) hat vor kurzem (auf Englisch) getweetet:

„Unpopuläre Meinung: Wir werden so schnell nicht zu einer vor-2020-Wintersaison zurückkehren, vielleicht nie. Wir haben nun ein zusätzliches Atemwegsvirus (SARS-CoV2), das gleichzeitig zirkuliert und zusätzliche Krankheitslast und Todesfälle verursacht. Es ist nicht saisonal und sorgt mit großer Häufigkeit für wiederholte Infektionen. Das ist das neue Normal.“

Virologin Isabella Eckerle (aktuelles Buch: Von Viren, Fledermäusen und Menschen) auf Twitter, 15.12.23
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Plädoyer für saubere Luft zum Atmen

Pressekonferenz zur Lufthygiene in Innenräumen von der IGÖ am 15.12.23 (inklusive Livestream)

Vorab eine Ankündigung für morgen, sich diese Pressekonferenz nicht entgehen zu lassen. Seit 2023 bin ich selbst Mitglied der IGÖ und engagiere mich in meinem Umfeld, auf Twitter sowie auf meinem Blog für mehr Bewusstsein für saubere Innenraumluft. Mit ersten CO2-Messungen habe ich schon Anfang 2021 begonnen, mit dem Aranet4 sammle ich jetzt schon schon länger Daten zur Luftgüte, um festzustellen, wie hoch das Infektionsrisiko ist. Die morgige Veranstaltung wird zeigen, dass die Luftqualität in den österreichischen Klassenzimmern teilweise katastrophal ist, mit gesundheitsheitsschädlichen Werten über mehrere Stunden hinweg. Hier besteht also akuter Handlungsbedarf. Ich messe schwerpunktmäßig in öffentlichen Verkehrsmitteln, bei Arztbesuchen, beim Einkaufen und am Arbeitsplatz und teile regelmäßig meine Daten. Hier sind die Ergebnisse zwiespältig, mit oft akzeptablen Werten in den U-Bahnen, aber schlechten Werten in Wartezimmern oder Untersuchungsräumen.

Regelmäßig lüften!“ lautet immer noch der übliche Ratschlag, meist gepaart mit einem Hinweis, „sich gründlich die Hände zu waschen.“ In der Realität schützt aber Handhygiene nicht vor Viren wie SARS-CoV2 oder Influenza, die über die Luft übertragen werden. Händewaschen ist dennoch sinnvoll, etwa gegen Magendarmviren oder generell Darmbakterien. Das Lüften erweist sich aber in vielen Fällen als wenig effizient, und das betrifft ausgerechnet die Jahreszeit, in der hohe Infektionswellen stattfinden – bei kalter Witterung wird weniger gelüftet. Das ist Fakt, da fährt die Eisenbahn drüber. Zu Beginn der Pandemie teilte ich noch euphorisch die Bilder aus New York, wo Schulkinder in der Zeit einer Tuberkulose-Epidemie vor über 100 Jahren im Freien unterrichtet wurden. Ok, so hartgesotten sind wir heutzutage nicht mehr, denn wir wissen um die Gefahren der gefährlichen „Zugluft“, erst Recht mit „nassen Haaren“. Langfristig sind moderne Lüftungsanlagen mit effizienter Frischluftzufuhr der Gamechanger, aber kurzfristig hilft neben dem häufigen Lüften nur der Einsatz von Luftreinigern, um Viren, Bakterien und Feinstaub aus der Luft zu entfernen, die wir in der kalten Jahreszeit die meiste Zeit des Tages einatmen.

Am Ende sind es gar wir selbst, die die wiederkehrenden Infektionswellen erzeugen – nicht nur durch unser Verhalten, sondern auch durch mangelnde Innenraumlufthygiene. Dieser Überzeugung ist jedenfalls die Archiktektin und Expertin für Raumluft Orla Hegarty aus Irland:

« Virus season » is just poor-indoor-air-quality-season, it’s a factor of how we use und operate buildings in cold weather – “Virus season” is entirely preventable.

Twitter, 09.12.23
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Public Health: Staatsversagen durch die ÖVP-Grüne-Koalition

Kontinuierlicher Anstieg der SARS-CoV2-Hospitalisierungen in allen Altersgruppen, am stärksten betroffen jene Gruppen, die durch Paxlovid und Auffrischimpfung eigentlich geschützt sein sollten, Datenquelle: SARI Dashboard, Beschriftung: Markus Madner, Lebensmitteltechnologe (zur Vergrößerung bitte anklicken)

Nach dem ersten strengen Lockdown, resultierendem Präventionsparadoxon und wachsender Kritik an der Regierung durch die Oppositionsparteien entschied sich die schwarzgrüne Koalition im Frühherbst 2020 zu einer Änderung im Epidemiegesetz:

(7) Die Bewertung … hat insbesondere anhand folgender Kriterien ….

3. Ressourcen und Kapazitäten im Gesundheitswesen unter Berücksichtigung der aktuellen Auslastung der vorhandenen Spitalskapazitäten sowie der aktuellen Belegung auf Normal- und Intensivstationen

Quelle: Bundesgesetzblatt, 25.09.20

Ein schwerwiegender Fehler, der bis heute dazu führt, erst dann zu handeln, wenn das Gebäude schon lichterloh brennt, statt proaktiv die Glutnester auszutreten.

„In Israel, managing the pandemic based on the capacity of the healthcare system was the one major mistake from which all else followed. Define a capacity and you will reach it, at record levels and high death toll.“

Eran Segal, Weizmann Institut (20.10.20)
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Weltweite Anstiege: JN.1 hat den Fitnesswettbewerb gewonnen

Nationales Abwassermonitoring in Österreich, Stand 07.11.23 (!)

Es ist gerade so leise, dass man nur das Blätterrauschen hört und die heiseren Krähen, die den ganzen Tag vor sich hinkrächzen. Die weitere Entwicklung der Pandemie verläuft bis heute nicht unerwartet. Das wissen alle, die regelmäßig meinen Blog lesen oder einschlägige ExpertInnen auf Twitter, Bluesky oder Mastodon, wo es auch weiterhin seriöse Infos zur Pandemie und ihre Folgewirkungen abzuholen gilt. Wir wissen schon länger, dass der Mutationsspielraum von SARS-CoV2 längst nicht ausgereizt ist und sich ständig neue Varianten entwickeln, meist in immungeschwächten Personen, deren Schutz vielfach aufgegeben wurde. Während der Flugverkehr auf Rekordkurs ist, der Tourismus über hohe Nächtigungszahlen jubelt und heuer offiziell Weihnachtsfeiern stattfinden, freut sich das Virus über die nette Einladung und hat sich bereits einen Platz reserviert.

Die vorzeitige Beendigung des Internationalen Gesundheitsnotstands durch die WHO war ein Fehler, der auf politischen Druck zustandekam. Das Gerede vom Ende der Pandemie wie dem allgemeinen Sprachgebrauch „nach der Coronakrise“ basierte nicht auf Fakten, sondern Wunschdenken. Jetzt stehen wir splitternackt vor dem Kaiser, der sich selbst entkleidet, damit seine Fehleinschätzung nicht so auffällt. Seit meinem letzten Beitrag vor zwei Wochen ist die Infektionslage ziemlich eskaliert. Corona hat abgehoben, Influenza und RSV starten gerade, gleichzeitig breitet sich das zuerst in China bekannt gewordene Bakterium Mycoplasma pneumonia auch in Europa in epidemischem Ausmaß aus (z.B. Dänemark). Es ist gut behandelbar, verursacht aber in 10% der Fälle Lungenentzündungen und spricht nur auf bestimmte Antibiotika an, die Inkubationszeit ist mit 2-4 Wochen lang. In Dänemark grassiert gleichzeitig auch eine Keuchhusten-Epidemie, was durch rechtzeitige Booster-Impfungen vermeidbar gewesen wäre. Es gibt unverändert einen akuten Medikamentenmangel, der sich angesichts der Infektionslage in den kommenden Monaten erneut zuspitzen dürfte.

Wie gehts jetzt weiter? Naja, es wird schiach. In Österreich haben sich erst 3,6 % der Bevölkerung mit dem angepassten XBB-Impfstoff impfen lassen, bei Influenza werden es am Ende wohl auch kaum über 15% sein. Problem: Impftermine sind bis Jahresende ausgebucht, es gibt kaum Möglichkeiten, sich gratis impfen zu lassen, das gilt für Corona und Influenza. Gleich ein Hinweis: Wer sich jetzt impfen lässt und sich wundert, dass im E-Impfpass der bivalente BA.5-Impfstoff steht – der wird nicht mehr verimpft, aber es schaffen offenbar nicht alle Ärzte, in ihrer Software auf XBB zu aktualisieren. Das ist dann formal falsch, aber keine Sorge, ihr habt den ‚richtigen‘ Stoff im Arm. Ab jetzt kann zudem auch der angepasste Novavax-Proteinimpfstoff verimpft werden, auf den viele gewartet haben, die mRNA-Impfstoffe wegen ausgeprägter Impfreaktionen nicht vertragen haben.

XBB.1.5 zirkuliert zwar auch immer weniger, aber noch erzeugen die angepassten Booster genügend Kreuzimmunität gegen BA.2.86-Varianten, um schwere Akutverläufe/Todesfälle weitgehend zu verhindern. Geht impfen!

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