Akute Verlaufsformen und Spätfolgen, eigene Skizze

SARS-CoV2 ist eine Gefäßerkrankung, kein reiner Atemwegsinfekt

SARS steht für Severe Acute Respiratory Syndrom und das Lungenversagen in der Akutphase der Erkrankung, wie es vor allem zu Beginn der Pandemie in Erscheinung getreten ist.

COVID-19 most often causes respiratory symptoms that can feel much like a cold, a flu, or pneumonia. COVID-19 may attack more than your lungs and respiratory system. Other parts of your body may also be affected by the disease.” (CDC)

Virologen wissen seit über 40 Jahren, dass Coronaviren alle Organe und die Gefäße schädigen und Langzeitfolgen auslösen können (Robb and Bond 1979). Seit den ersten Autopsien von Covid19-Patienten ist klar, dass es sich keinen Atemwegsinfekt handelt, sondern um eine systemische Gefäßentzündung (Varga et al. 20.04.2020, Wadman et al. 24.04.20), die schwere Mikrozirkulationszerstörungen auslöst. Dana G. Smith schrieb im Mai 2020, dass Covid19 eine Blutgefäßerkrankung sein könnte, „was alles erklärt“. Die britische Heart Foundation erläutert ausführlich, wie Corona die Gefäße schädigt (BHF 2023). Viele Studien haben seitdem diese Erkenntnisse untermauert, dass Gefäßerkrankungen und Thrombosen für zahlreiche Symptome verantwortlich sind (Libby and Lüscher 2020, Lei et al. 2021, Wygrecka et al. 2021, Spudich and Nath 2022).

Influenza ist zwar wie SARS-CoV2 auch eine systemische Erkrankung, die Lungenepithelzellen und Gefäßendothel schädigen kann – allerdings vorwiegend bei Patienten mit entsprechenden Vorschädigungen.

Mit dem Wissensstand von Ende 2023 und den Schädigungen durch SARS-CoV2 im ganzen Körper könnte man auch von SPVD sprechen – Severe Post-Acute Vascular Disease (das ist meine private Meinung dazu als jemand, der seit über 3 Jahren Fachliteratur zur Pandemie sammelt).

Was ist ein milder Verlauf?

Alles, was gerade noch nicht mit Sauerstoff im Krankenhaus behandelt werden muss, mild ist und auch offiziell als mild verbucht wird.

  • Lungenentzündung, Herzmuskelentzündung ohne Spitalsaufenthalt = mild
  • Kopfschmerzen, Migräne, hohes Fieber, schreckliche Glieder- und Muskelschmerzen = mild
  • völliger Geruchs- und Geschmacksverlust = mild

Was ist ein schwerer Verlauf?

Mittelschwere bis schwere Formen, die durch eine hypoxämische Lungenentzündung gekennzeichnet sind, die eine stationäre Behandlung mit StandardO2 erfordern, sehr schwere COVID-19-Formen, die zu einem akuten Atemnotsyndrom (ARDS) führen, das eine zusätzliche Beatmungsunterstützung und die Aufnahme in die Intensivstation erfordert.

Diese Einordnung ist eine klinische Einordnung aus Sicht der Intensivmedizin, die nun aber völlig undifferenziert den Menschen ohne medizinisches Wissen um die Ohren gehauen wird und somit zu völliger Fehleinschätzung der eigenen Risikosituation führt. Die Menschen hören mild und denken an Schnupfen, in Wirklichkeit ist damit aber gemeint, alles, was gerade noch so am Spital mit Sauerstoff vorbeischrammt. Aus Sicht der Primärversorgung sind Lungenentzündung und Co aber schwere Erkrankungen, die Monate dauern, bis sie wieder ausheilen. Das müssen die Menschen aber auch wissen! Sonst übergehen viele so eine schwere Erkrankung, nehmen sich nicht die ausreichende Zeit zur Erholung, weil sie denken, es kann ja gar nicht sein. Schlimmerweise sitzen auch viele Ärzte diesem Missverständnis auf.

Prof. Kathryn Hoffmann, Leiterin Primary Care Medicine; wIEN

Alte Menschen kommen eher auf eine Normalstation und versterben dort oft, bevor sie intensivmedizinisch behandelt werden. Jüngere Menschen werden eher beatmet und kommen bei Lungenversagen an die ECMO (Extrakorporale Membranoxygenierung). Patienten, welche oft wochenlang auf der Intensivstation lagen, leider später häufig unter PICS (Post-Intensive Care Syndrom), welches mit psychischen, kognitiven und körperlichen Beeinträchtigungen einhergeht.

Nur ein Drittel der hospitalisierten Patienten erholt sich innerhalb eines Jahres (Evans et al. 2022), die Sterblichkeit ist acht Mal höher als bei nichthospitalisierten Patienten (Ayoubkhani et al. 2021).

häufige Symptome

Gao et al., The Short- and Long-Term Clinical, Radiological and Functional Consequences of COVID-19 (13.04.22, ins Deutsche übersetzt)

Entgegen anderslautender Nachrichtenmeldungen vornehmlich von Boulevardzeitungen hat sich an den Kernsymptomen einer Covid19-Erkrankung nichts geändert. Die Leitsymptome haben sich nur mit BA.1 kurzzeitig geändert (Brandal et al. 2021), sonst bleiben sie ähnlich wie beim Wildtyp (Rabady et al. 2021): Fieber, trockener Husten, Geruchs- und Geschmacksverlust (Lechien et al. 2020), Halsschmerzen, Muskelschmerzen, Schnupfen und ausgeprägte Erschöpfungsmüdigkeit (Fatigue) sind geblieben, aber auch Magen-Darm-Symptome oder Bindehautentzündungen (Chen et al. 2020) treten immer wieder auf.

Bei Kindern kommt es häufiger zu Magen-Darm-Symptomen, anhaltenden Brustschmerzen, Dehydrierung oder Atemnot.

Diese unspezifischen Anfangssymptome lassen Covid schwer von gewöhnlichen Atemwegsinfekten oder einer Magen-Darm-Infektion unterscheiden und tragen zur hohen Grundinfektionsrate bei. Über den Riechnerv gelangt das Virus allerdings ins zentrale Nervensystem (Morbini et al. 2020) und sorgt für kognitive Kurz- und Langzeitfolgen bis hin zur Demenz. Selbst ein banal harmloser Anfangsverlauf nur mit Schnupfen und etwas Halsweh darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Covid19 eine multisystemische Erkrankung ist.

Inkubationszeit

Inkubationszeit, Generationszeit und Serienintervall bei Omicron

Der Zeitraum zwischen Infektionszeitpunkt und ersten Symptomen hat sich gegenüber den anderen Varianten deutlich reduziert (Galmiche et al. 2023) ud beträgt bei OMICRON-Varianten derzeit rund 2-4 Tage (Park et al. 2022, Xu et al. 2023).

BA.1 hatte die kürzeste Inkubationszeit (3,49 Tage), BA.5 das kürzeste Serienintervall, das Serienintervall war bisher kürzer als die Inkubationszeit, das heißt, ein Schlüsselaspekt von SARS-CoV2 bleibt die präsymptomatische Übertragung (Xu et al. 09/2023, systematic review).

Geimpfte schützen ihre Mitmenschen, weil sie häufiger Symptome entwickeln, bevor sie ansteckend werden und sich somit rechtzeitig isolieren oder Maske tragen können – in der Praxis macht das leider keiner (Skizze aus der aus der Seuchenkolumne von Epidemiologe Zangerle)

Die Dauer der Infektiösität

Zu Beginn der Pandemie betrug die Isolationszeit 10 Tage. Diese hätte auch mit OMICRON bleiben sollen. David Adams fasste den Wissensstand in einem Nature-Artikel (26.07.22) zusammen: „Es gibt keine Daten, die fünf Tage oder weniger als zehn Tage Isolation unterstützen.“ Die meisten Erwachsenen haben anzüchtbares Virus für 10-14 Tage nach Symptombeginn, können also noch ansteckend sein (Drain et al. 2022).

Unabhängig von Impfstatus, Variante und Symptomschwere weist ein beträchtlicher Teil der Infizierten länger als 5 Tage eine infektiöse Viruslast auf. (Landon et al., 2022, Hay et al., 2022, Bericht aus Japan, 2022, Keske et al. 2022, Boucau et al. 2022, Townsley et al. 2022, Garcia-Knight et al. 2022; Hakki et al. 2022 – 25% nach 7 Tagen).

In einer Haushaltsstudie wurde die Hälfte der Infektionen vor Symptombeginn erzeugt (Manica et al. 2022).

Impfung sorgt für niedrigere Viruslast und raschere Clearence aus dem Körper im Vergleich zu Ungeimpften (8 vs. 11 Tage), gültig für DELTA (Puhach et al. 2022)